1
Die roten Fahnen hingen alle grau und krank
Im Regenhimmel rum. Aus mencher Fensterbank
Erbrach das Fahnentuch vor Scham sein letztes Rot
Da kamst du hergetanzt mit unterm Arm die Schuh'
Verschlungen hast du mich, Stück weggeworfen Brot
In diesem Land, wo alle satt sind. Aber du
Du warst mein neues Deutschland und mein alter Traum
Von Küssen unterm großen Kirschenbaum
2
"Ach, es geht mir wie einem, der im Weinberge
Nachließt, da man keine Trauben findet zu essen
Und wollte doch gern die besten Früchte haben.
Die frommen Leute sind weg in diesem Lande
Und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten.
Sie lauern alle auf Blut, ein jeglicher
Jegt den andern, dass er ihn verderbe.
Und meinen, sie tun wohl daran
- wenn sie Böses tun.
Was der Fürst will, das spricht der Richter
- dass er ihm wieder einen Dienst tun soll
Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen Schaden zu tun
- und drehens wie sie wollen
Niemand glaube seinem Nächsten!
Niemand verlasse sich auf Fürsten
Bewahre die Tür deines Mundes
- vor der, die in deinen Armen schläft!"
das weiß ich doch selber: der Knüppel, du Krüppel
der arme Knüppel, er kann nichts dafür. Und
trotzdem! es ist ja der dreimal verfluchte
der Knüppel, den ich auf dem Rücken spür. Ach
warum, warum musste sich
mein liebes Liebchen gegen mich
so prompt zum Knüppel machen
- zum Knüppel machen lassen?! aus Liebe
kommt, ach das tut weh, aus Liebe
kommt so prompt das blinde Hassen
3
Und es begab sich im fünfundzwanzigsten Jahr
Der Deutschen Demokratischen Republik, da
Ließen die Herrschenden sich vom Volk
Ein gewaltiges Haus baun, mitten in Berlin

4
"Ich wandte mich um und sah alles Unrecht
Das geschah unter der Sonne. Und siehe
Da waren Tränen derer, so Unrecht litten
Und hatten
keine Tröster.
Und die ihnen Unrecht taten - waren zu mächtig
Sodass sie keinen Tröster haben konnten!
Ich sah an Arbeit und Geschicklichkeit
In allen Sachen. Da neidet einer den andern, das
Ist auch eitel und Haschen nach dem Wind. Ein Narr
Schlägt die Finger ineinander und verzehrt sich selbst.
So ist's ja besser Zwei als Eins, denn
Sie genießen doch ihrer Arbeit wohl.
Fällt ihrer einer, so hilft sein Gesell ihm auf.
Weh dem, der allein ist, wenn er fällt
So ist kein anderer da, der ihm aufhelfe! Auch
Wenn zweibeieinander liegen, wärmen sie sich. Wie
Kann ein Einzelner warm werden? Einer
Kann überwältigt werden. Aber Zwei
Mögen widerstehn."
das weiß ich doch selber: das Messer, du Fresser
das arme Messer, es kann nichts dafür. Und
trotzdem! es ist ja das dreinmal verfluchte
das Messer, das ich an der Kehle spür. Ach
warum, warum musste sich
mein liebes Liebchen gegen mich
so prompt zum Messer machen
- zum Messer machen lassen?! aus Liebe
kommt, ach das tut weh, aus Liebe
kommt so prompt das blinde Hassen
5
Kennst du mich noch? Ich kenn mich selbst nicht mehr
Seit du mir schweigst bin ich von allem Leben leer
Und seh' nicht, kann nicht, mag nicht, will nicht und seh' doch:
Reif ist das Jahr. Die Kirschen platzen auf vor Lust
Und ich lieg eingemauert hier im Loch
Und halt mein Herz fest in der aufgebrochnen Brust
Dass es nicht auf die Straße springt und schreit, wenn du
Im Blauhemd hier vorbeimarschierst! mit Sand im Schuh.
Die roten Fahnen hingen alle grau und krank
Im Regenhimmel rum. Aus mencher Fensterbank
Erbrach das Fahnentuch vor Scham sein letztes Rot
Da kamst du hergetanzt mit unterm Arm die Schuh'
Verschlungen hast du mich, Stück weggeworfen Brot
In diesem Land, wo alle satt sind. Aber du
Du warst mein neues Deutschland und mein alter Traum
Von Küssen unterm großen Kirschenbaum
2
"Ach, es geht mir wie einem, der im Weinberge
Nachließt, da man keine Trauben findet zu essen
Und wollte doch gern die besten Früchte haben.
Die frommen Leute sind weg in diesem Lande
Und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten.
Sie lauern alle auf Blut, ein jeglicher
Jegt den andern, dass er ihn verderbe.
Und meinen, sie tun wohl daran
- wenn sie Böses tun.
Was der Fürst will, das spricht der Richter
- dass er ihm wieder einen Dienst tun soll
Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen Schaden zu tun
- und drehens wie sie wollen
Niemand glaube seinem Nächsten!
Niemand verlasse sich auf Fürsten
Bewahre die Tür deines Mundes
- vor der, die in deinen Armen schläft!"
das weiß ich doch selber: der Knüppel, du Krüppel
der arme Knüppel, er kann nichts dafür. Und
trotzdem! es ist ja der dreimal verfluchte
der Knüppel, den ich auf dem Rücken spür. Ach
warum, warum musste sich
mein liebes Liebchen gegen mich
so prompt zum Knüppel machen
- zum Knüppel machen lassen?! aus Liebe
kommt, ach das tut weh, aus Liebe
kommt so prompt das blinde Hassen
3
Und es begab sich im fünfundzwanzigsten Jahr
Der Deutschen Demokratischen Republik, da
Ließen die Herrschenden sich vom Volk
Ein gewaltiges Haus baun, mitten in Berlin

4
"Ich wandte mich um und sah alles Unrecht
Das geschah unter der Sonne. Und siehe
Da waren Tränen derer, so Unrecht litten
Und hatten
keine Tröster.
Und die ihnen Unrecht taten - waren zu mächtig
Sodass sie keinen Tröster haben konnten!
Ich sah an Arbeit und Geschicklichkeit
In allen Sachen. Da neidet einer den andern, das
Ist auch eitel und Haschen nach dem Wind. Ein Narr
Schlägt die Finger ineinander und verzehrt sich selbst.
So ist's ja besser Zwei als Eins, denn
Sie genießen doch ihrer Arbeit wohl.
Fällt ihrer einer, so hilft sein Gesell ihm auf.
Weh dem, der allein ist, wenn er fällt
So ist kein anderer da, der ihm aufhelfe! Auch
Wenn zweibeieinander liegen, wärmen sie sich. Wie
Kann ein Einzelner warm werden? Einer
Kann überwältigt werden. Aber Zwei
Mögen widerstehn."
das weiß ich doch selber: das Messer, du Fresser
das arme Messer, es kann nichts dafür. Und
trotzdem! es ist ja das dreinmal verfluchte
das Messer, das ich an der Kehle spür. Ach
warum, warum musste sich
mein liebes Liebchen gegen mich
so prompt zum Messer machen
- zum Messer machen lassen?! aus Liebe
kommt, ach das tut weh, aus Liebe
kommt so prompt das blinde Hassen
5
Kennst du mich noch? Ich kenn mich selbst nicht mehr
Seit du mir schweigst bin ich von allem Leben leer
Und seh' nicht, kann nicht, mag nicht, will nicht und seh' doch:
Reif ist das Jahr. Die Kirschen platzen auf vor Lust
Und ich lieg eingemauert hier im Loch
Und halt mein Herz fest in der aufgebrochnen Brust
Dass es nicht auf die Straße springt und schreit, wenn du
Im Blauhemd hier vorbeimarschierst! mit Sand im Schuh.
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