Ich fahr' Auto, schon seit Jahren, schlecht und recht
und niemand hat das je gestört. Ich bin rücksichtsvoll,
ich kann fluchen wie ein Knecht,
hab' im Zweifel immer recht
und hab' daher auch bisher
im Verkehr
niemanden gefährdet, geschädigt oder mehr als den
Umständen nach
unvermeidbar behindert oder belästigt.
Doch zum Geburtstag schenkte irgendein Idion
mir eine Auto Apotheke und dazu noch einen
Gutschein
für 'nen Kurs in
Erster Hilfe.
Erste Hilfe!
Seitdem ist jedermann bedroht,
wenn ich ein Kreuz seh', seh' ich rot
und pack alles ein in Watte und Mull.
Der Leiter von dem Kurs war nicht nur praktisch,
auch didaktisch war er ungeheuer auf dem Kien.
Er meinte nämlich:
Schon ein nettes Wort des Trostes könne
häufig beim Verletzten
mehr bewirken als die beste Medizin.
Zum Beispiel: Tut ja gar nicht mehr weh,
oder: Bis zur Hochzeit ist das alles wieder gut.
Ich fügte hämisch hinzu: "Ei-ei, wo ist denn unser
kleiner
Oberschenkelhalsbruch?"
Durch die mißglückte Ironie
hatte ich die Theorie
bereits bestanden und es fanden
nun die Übungen zur Praxis statt,
die darin bestanden,
daß wir uns Binden banden,
mein Partner ging auf diese Art fast zuschanden.
Ich verband ihn so gewandt,
daß man seinen Streckverband
erst nach Stunden löste,
als man einen Seitenschneider fand:
Erste Hilfe.
Erste Hilfe!

doch umsonst:
Mein Mull war machtlost.
Ich barg den Verletzten im Kofferraum
und fuhr zur nächsten Unfallstation.
Doch da begann das Unglück erst richtig
seinen Lauf zu nehmen.
Denn da öffnete uns eine Schwester,
eine von diesen kranken Schwestern.
Ich warf den Opa in die Ecke
und die Schwester übern Tisch,
denn Frau'n in Uniform
wirken fürchterlich auf mich.
Erste Hilfe.
Erste Hilfe!
Der Verletzte mußte bluten
eine Stunde, zehn Minuten,
bis sie mich in die Nase biß
und mich aus der Ekstase riß.
Denn nun kam der Arzt.
Er sah uns sehr streng an,
sehr, sehr streng.
Der Verletzte hielt mit bluten an,
weil ihm vor Schreck das Blut gerann.
Man sprach kein einz'ges Wort,
und ich stahl mich leise fort
in mein Heim
und blieb lange Zeit allein.
Doch drei Wochen später schellte es an meiner Tür.
Ich rief: "Wer ist da?"
Der draußen stand, behauptete: hier sei ein
Mensch,
der wolle zu mir.
Es waren zwei:
Der Opa und die Kranken-
schwester kamen sich bedanken,
und das hatte seinen Grund,
denn der Opa war gesund.
Seit er soviel Blut verlor'n,
fühlt er sich wie neugebor'n
und hat die Schwester zur privaten Pflege sich
erkor'n.
Erste Hilfe.
Erste HIlfe!
Und die Lehre davon ist:
Selbst der allergößte Mist
zahlt sich irgendwann für irgend jemand aus.
ULRICH ROSKI
und niemand hat das je gestört. Ich bin rücksichtsvoll,
ich kann fluchen wie ein Knecht,
hab' im Zweifel immer recht
und hab' daher auch bisher
im Verkehr
niemanden gefährdet, geschädigt oder mehr als den
Umständen nach
unvermeidbar behindert oder belästigt.
Doch zum Geburtstag schenkte irgendein Idion
mir eine Auto Apotheke und dazu noch einen
Gutschein
für 'nen Kurs in
Erster Hilfe.
Erste Hilfe!
Seitdem ist jedermann bedroht,
wenn ich ein Kreuz seh', seh' ich rot
und pack alles ein in Watte und Mull.
Der Leiter von dem Kurs war nicht nur praktisch,
auch didaktisch war er ungeheuer auf dem Kien.
Er meinte nämlich:
Schon ein nettes Wort des Trostes könne
häufig beim Verletzten
mehr bewirken als die beste Medizin.
Zum Beispiel: Tut ja gar nicht mehr weh,
oder: Bis zur Hochzeit ist das alles wieder gut.
Ich fügte hämisch hinzu: "Ei-ei, wo ist denn unser
kleiner
Oberschenkelhalsbruch?"
Durch die mißglückte Ironie
hatte ich die Theorie
bereits bestanden und es fanden
nun die Übungen zur Praxis statt,
die darin bestanden,
daß wir uns Binden banden,
mein Partner ging auf diese Art fast zuschanden.
Ich verband ihn so gewandt,
daß man seinen Streckverband
erst nach Stunden löste,
als man einen Seitenschneider fand:
Erste Hilfe.
Erste Hilfe!

doch umsonst:
Mein Mull war machtlost.
Ich barg den Verletzten im Kofferraum
und fuhr zur nächsten Unfallstation.
Doch da begann das Unglück erst richtig
seinen Lauf zu nehmen.
Denn da öffnete uns eine Schwester,
eine von diesen kranken Schwestern.
Ich warf den Opa in die Ecke
und die Schwester übern Tisch,
denn Frau'n in Uniform
wirken fürchterlich auf mich.
Erste Hilfe.
Erste Hilfe!
Der Verletzte mußte bluten
eine Stunde, zehn Minuten,
bis sie mich in die Nase biß
und mich aus der Ekstase riß.
Denn nun kam der Arzt.
Er sah uns sehr streng an,
sehr, sehr streng.
Der Verletzte hielt mit bluten an,
weil ihm vor Schreck das Blut gerann.
Man sprach kein einz'ges Wort,
und ich stahl mich leise fort
in mein Heim
und blieb lange Zeit allein.
Doch drei Wochen später schellte es an meiner Tür.
Ich rief: "Wer ist da?"
Der draußen stand, behauptete: hier sei ein
Mensch,
der wolle zu mir.
Es waren zwei:
Der Opa und die Kranken-
schwester kamen sich bedanken,
und das hatte seinen Grund,
denn der Opa war gesund.
Seit er soviel Blut verlor'n,
fühlt er sich wie neugebor'n
und hat die Schwester zur privaten Pflege sich
erkor'n.
Erste Hilfe.
Erste HIlfe!
Und die Lehre davon ist:
Selbst der allergößte Mist
zahlt sich irgendwann für irgend jemand aus.
ULRICH ROSKI
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