Weil ich ein Meteorologe bin Songtext - Reinhard Mey

Ich hab‘ keiner Fliege etwas zuleide getan,
Ich hab‘ weder unterschlagen noch geklaut,
Und doch nennt man mich „Tunichtgut“, schimpft man mich „Scharlatan“,
Verhöhnen und verspotten sie mich laut.
Ich kann, wo ich will, hinkommen,
Nirgends werd‘ ich ernst genommen,
Meinen Freunden bin ich nur ein steter Grund zur Heiterkeit.
Selbst beim Bäcker und beim Schlächter
Hör‘ ich dröhnendes Gelächter,
Der Drogist wiehert und gluckst wegen meiner Anwesenheit.
Und er zeigt mit keckem Finger auf mich hin, ja, auf mich hin,
Weil ich ein Meteorologe bin.

Zugegeben, es gab hin und wieder einen Fall,
Da war das Wetter nicht ganz so wie prophezeit.
Das mit dem Schneesturm im August, das ging nicht so ganz klar,
Auch die Hitzewelle zu Sankt Nik‘laus tut mir heute leid.
Dabei wies mein Augenzucken,
Und mein starkes Daumenjucken

Wie ein Sonnenstrahl, der eben
Noch die Wolken von mir fernhielt und mich wärmte durch sein Licht.
Sie verließ mich, aus den Augen, aus dem Sinn, ja, aus dem Sinn,
Weil ich ein Meteorologe bin.

Und ein Nimbostratus hängt in meinem Sinn seit jenem Tag,
Eine dicke Regenwolke, schwer und grau,
Drum der Regenmantel, den ich auch an Sommertagen trag‘,
Und nicht etwa, weil ich dem eig‘nen Wetterbericht nicht trau‘.
Die Launen der Stratosphäre kosteten mich meine Ehre,
Und die einz‘ge Liebe, die ich fand, zerbrach zuletzt daran;
Örtlich starke Niederschläge –, und so geh‘ ich meiner Wege,
Sprech‘ mit mir selbst über‘s Wetter, nur mein Laubfrosch hört mich an.
Er fühlt wenigstens, wie mir zumute ist, zumute ist,
Weil er auch ein Meteorologe ist.




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