(Eine Hommage an den Rettungshubschrauber Christoph 4)
Golf November
Die letzten Einkäufe gemacht,
der Dienst geht heut bis kurz vor acht,
Freitag, der dreiundzwanzigste Dezember.
Ein Blick aufs Vorfeld, es schneit.
Da draußen steht sie startbereit,
die Delta-Hotel-Kilo-Golf-November (D-HKGN).
Der Nachmittag nimmt seinen Lauf,
der Doktor klart den Schreibtisch auf,
der Flieger isst ein Wurstbrot mit Behagen.
So haben die zwei oft gewacht,
zusammen manchen Flug gemacht
und noch mehr Zeit zusammen totgeschlagen.
Der Wettermann sagt: "Schlechte Sicht
im Westen, Bremen ist schon dicht,
minus vier Grad mit starken Niederschlägen;
Und um drei Uhr ist die Kaltfront hier."
Der Flieger streicht sein Brotpapier
und faltet es bedächtig: "Meinetwegen".
Der Doktor rumort nebenan,
sucht Filtertuten, macht sich dran,
Tassen zu spülen und Kaffee zu kochen.
Aber der Notruf kommt vorher:
Am Ostufer, Steinhuder Meer,
ein Kind ist im dünnen Eis eingebrochen.
Der Doktor grummelt: "Tempo, Mann!",
der Flieger lässt das Triebwerk an,
ein Dutzend bunte Lämpchen sind zu testen,
und kaum, dass er den Tower ruft,
hat er den Vogel in der Luft,
quer übern Platz und auf dem Kurs nach Westen.
Schon taucht er ein im düstren Grau,
hier kennt er jeden Busch genau,
jeden Schornstein, alle Hochspannungsmasten.
Noch keine fünf Minuten sind
verflogen, als er schon beginnt,

Und bald ist die kostbare Fracht
behutsam umsorgt und bewacht,
hinter gläsernen Kliniktür'n verschwunden.
Das war's, die Anspannung schlägt um
in Müdigkeit, die zwei steh'n rum
und keiner hat ein Wort herauszubringen.
Während da drin mit aller Kraft,
all ihrer Kunst und Meisterschaft,
ein Dutzend Menschen um ein Leben ringen.
Dreitausend Stunden auf dem Bock,
und immer noch der gleiche Schock,
den hilft keine Gewohnheit überwinden.
Dreitausend Einsätze und mehr,
und immer noch genauso schwer,
sich mit unserer Ohnmacht abzufinden.
Die Front ist da, es dunkelt schon,
und in der engen Wachstation
sind bleiche Neonleuchten angegangen.
Der Flieger füllt den Dienstplan aus,
der Doktor sieht zum Fenster raus,
und ein Gedanke hält die zwei gefangen.
Doch keiner, der das Schweigen bricht.
Die winz'ge Chance nur, mehr nicht!
Beide würden sie viel dafür geben . . .
Und da zerreißt das Telefon
die Stille in der Wachstation
und eine Stimme sagt, das Kind wird leben.
Der Doktor hängt den Hörer ein.
"Der Kaffee dürfte bitter sein,
egal, ich nehm 'ne Tasse, Du auch eine?"
Der Flieger nickt von seinem Platz
und schreibt Anlass: Rettungseinsatz,
besondere Vorkommnisse: - keine.
Golf November
Die letzten Einkäufe gemacht,
der Dienst geht heut bis kurz vor acht,
Freitag, der dreiundzwanzigste Dezember.
Ein Blick aufs Vorfeld, es schneit.
Da draußen steht sie startbereit,
die Delta-Hotel-Kilo-Golf-November (D-HKGN).
Der Nachmittag nimmt seinen Lauf,
der Doktor klart den Schreibtisch auf,
der Flieger isst ein Wurstbrot mit Behagen.
So haben die zwei oft gewacht,
zusammen manchen Flug gemacht
und noch mehr Zeit zusammen totgeschlagen.
Der Wettermann sagt: "Schlechte Sicht
im Westen, Bremen ist schon dicht,
minus vier Grad mit starken Niederschlägen;
Und um drei Uhr ist die Kaltfront hier."
Der Flieger streicht sein Brotpapier
und faltet es bedächtig: "Meinetwegen".
Der Doktor rumort nebenan,
sucht Filtertuten, macht sich dran,
Tassen zu spülen und Kaffee zu kochen.
Aber der Notruf kommt vorher:
Am Ostufer, Steinhuder Meer,
ein Kind ist im dünnen Eis eingebrochen.
Der Doktor grummelt: "Tempo, Mann!",
der Flieger lässt das Triebwerk an,
ein Dutzend bunte Lämpchen sind zu testen,
und kaum, dass er den Tower ruft,
hat er den Vogel in der Luft,
quer übern Platz und auf dem Kurs nach Westen.
Schon taucht er ein im düstren Grau,
hier kennt er jeden Busch genau,
jeden Schornstein, alle Hochspannungsmasten.
Noch keine fünf Minuten sind
verflogen, als er schon beginnt,

Und bald ist die kostbare Fracht
behutsam umsorgt und bewacht,
hinter gläsernen Kliniktür'n verschwunden.
Das war's, die Anspannung schlägt um
in Müdigkeit, die zwei steh'n rum
und keiner hat ein Wort herauszubringen.
Während da drin mit aller Kraft,
all ihrer Kunst und Meisterschaft,
ein Dutzend Menschen um ein Leben ringen.
Dreitausend Stunden auf dem Bock,
und immer noch der gleiche Schock,
den hilft keine Gewohnheit überwinden.
Dreitausend Einsätze und mehr,
und immer noch genauso schwer,
sich mit unserer Ohnmacht abzufinden.
Die Front ist da, es dunkelt schon,
und in der engen Wachstation
sind bleiche Neonleuchten angegangen.
Der Flieger füllt den Dienstplan aus,
der Doktor sieht zum Fenster raus,
und ein Gedanke hält die zwei gefangen.
Doch keiner, der das Schweigen bricht.
Die winz'ge Chance nur, mehr nicht!
Beide würden sie viel dafür geben . . .
Und da zerreißt das Telefon
die Stille in der Wachstation
und eine Stimme sagt, das Kind wird leben.
Der Doktor hängt den Hörer ein.
"Der Kaffee dürfte bitter sein,
egal, ich nehm 'ne Tasse, Du auch eine?"
Der Flieger nickt von seinem Platz
und schreibt Anlass: Rettungseinsatz,
besondere Vorkommnisse: - keine.
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Gute Nacht Freunde reinhard mey Gute nacht Freunde es wird zeit fuer mich zu gehen was ich noch zu sag...
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