Neun Jahre Banderfahrung und sechs Alben müssten das musikalische Rückrad eigentlich ausreichend stärken. Stärken, um routiniert und mit aller Gelassenheit an ein neues, ein siebtes Werk zu gehen. Doch Therapy? waren in der Zeit vor "Suicide Pact - You First" reichlich gebeutelt. Erst verkaufte sich "Semi-Detached" alles andere als goldig, dann wurde der Vertrag seitens der Plattenfirma nicht verlängert und mitten in den Proben zu einer Amerika/Australien-Tour fiel Schlag...
Neun Jahre Banderfahrung und sechs Alben müssten das musikalische Rückrad eigentlich ausreichend stärken. Stärken, um routiniert und mit aller Gelassenheit an ein neues, ein siebtes Werk zu gehen. Doch Therapy? waren in der Zeit vor "Suicide Pact - You First" reichlich gebeutelt. Erst verkaufte sich "Semi-Detached" alles andere als goldig, dann wurde der Vertrag seitens der Plattenfirma nicht verlängert und mitten in den Proben zu einer Amerika/Australien-Tour fiel Schlagwerker Graham Hopkins ein halbes Jahr mit gebrochenem Arm aus. Nicht dass Therapy? mit ihrem Album die verhassten Bryan Adams-Fans befriedigen wollten. Doch auf einmal hatten sie weder Geld noch einen Plattenvertrag, waren allein und ohne Plan, wie es weitergehen könnte. Aufgeben kam für sie aber nicht in Frage - da half nur der Sprung ins kalte Wasser um im Selbstversuch "Learning by doing" anzuwenden. Fortan kümmerte sich das Quartett selber um die Post und telefonierte eigenständig einem neuen Plattendeal hinterher. Beeinflusst von Bands wie Big Black, Snuff oder Hüsker Dü (deren Song "Diane" sie später coverten), gründeten Sänger/Gitarrist Andy Cairns, Bassist Michael McKeegan und Schlagzeuger Fyfe Ewing 1990 in Nord Irland Therapy?. Seit dem 92er Album "Nurse" waren sie bei A&M Records unter Vertrag und konnte vor allem mit dem, für ihre Verhältnisse fast schon poppigen Nachfolger, glänzen. "Troublegum" meisterte den Spagat zwischen Independent und Mainstream, zwischen Aktzeptanz und Sell-Out und ging erstmals weg vom eiskalten und präzisen Therapy?-Sound der frühen 90er Jahre. Dieses Markenzeichen bröckelte im Laufe der weiteren Alben noch stärker. Auf "Infernal Love" fanden erstmals auch Streicher einzug; kurze Zeit später wurde der damals 19-Jährige Gitarrist und Cellist Martin McCarrick zum vierten Bandmitglied geschlagen. Ein Jahr später ersetzte Graham Hopkins den Mann hinter der Schießbude (Fyfe Ewing wurde der Tourstress zu viel; seitdem spielt er bei "The Divers") - die letzte Therapy?-Bastion war gefallen. Mit ihrem fünften Streich, der laut Andy Cairns "a bit of a fuck you" ist, hauen sie den alten Fans bewusst neue Töne vor den Kopf und fühlen sich gut dabei. Hopkins ist wieder fit, der neue Deal beim Label Ark21 perfekt und mit "Suicide Pact - You First" haben sie selbstbewusst nur dem eigenen Erhaltungstrieb gefröhnt. Andy: "Hätten wir ein zweites "Semi-Detached"-Album gemacht - es wäre mit uns innerhalb eines Jahres vorbei gewesen. Dieses Album brauchten wir einfach, um uns am Leben zu halten. Und es hat verdammt viel Spaß gemacht." Spaß am Musikmachen hat das Quartett auch noch im neuen Jahrtausend. Und so erscheint 2001 das sechste Studioalbum, auf dem sich die Iren zwischen Punk und Rockabilly austoben. Endes des Jahres macht Drummer Graham Hopkins die Gerüchte wahr und verlässt die Gruppe, um fortan eigene musikalische Wege zu gehen. Frontmann Crains dementiert umgehend Auflösungsgerüchte und verspricht eine neue Bandära mit noch mehr Punk, Metal und Rock'n'Roll. 2001 Shameless 1999 Suicide Pact - You First 1998 Semi-Detached 1994 Infernal Love 1994 Troublegum 1992 Nurse 1992 Pleasure Death 1991 Babyteeth

