The Mars Volta schreiben keine Konzeptalben, sie sind auch keine Prog- Rockband. Natürlich haben sie die Fähigkeiten dazu, doch schlossen sich Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavalas 2001 zusammen, um jegliche musikalische Grenzen zu sprengen und keinen altbackenen Formeln zu folgen. Egal ob sie nun Dinosaurier Prog oder 2-D Punk sind. “Uns nerven solche Bezeichnungen und Fragen”, erzählt Gitarist, Co-Gründungsmitglied und Produzent Rodriguez-Lopez. „Konzeptalbum? Wie kann etwas, das ...
The Mars Volta schreiben keine Konzeptalben, sie sind auch keine Prog- Rockband. Natürlich haben sie die Fähigkeiten dazu, doch schlossen sich Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavalas 2001 zusammen, um jegliche musikalische Grenzen zu sprengen und keinen altbackenen Formeln zu folgen. Egal ob sie nun Dinosaurier Prog oder 2-D Punk sind. “Uns nerven solche Bezeichnungen und Fragen”, erzählt Gitarist, Co-Gründungsmitglied und Produzent Rodriguez-Lopez. „Konzeptalbum? Wie kann etwas, das ein gigantisches Projekt ist und ein ganzes Jahr deines Lebens beansprucht, nicht irgendeinem Konzept folgen? Prog? Wie kann innovative und fortschreitende Musik nicht progressiv klingen? Als ich den Begriff „Emo“ das erste Mal hörte, war meine Reaktion ähnlich. Wie kann etwas so Persönliches und Herzerreißendes wie die eigene Musik nicht emotional sein?“ Wäre das erst mal aus den Weg geräumt. Die neue The Mars Volta Platte Frances The Mute ist keine Fortsetzung. Klar, die Geschichte dreht sich um einen verstorbenen Freund, aber genau da enden auch schon die Übereinstimmungen zum 2003 Vorgänger De-Loused In The Comatorium. Der Vorläufer basierte auf einer imaginären Sci-Fi Chronik, die von Bixler-Zavalas stammte. Der aktuelle Longplayer findet in der Realität statt. Er wurde er durch ein Tagesbuch inspiriert, welches das verschiedene Bandmitglied Jeremy Ward (R.I.P.) fand. Die Ähnlichkeiten zwischen Jeremys Leben und dem des Autors waren beängstigend. „Die Geschichte ist durch ein Tagesbuch inspiriert wurden, das Jeremy auf dem Rücksitz eines Autos fand,” erzählt Sänger/Lyriker Bixler-Zavalas. „Er bemerkte einige Gemeinsamkeiten zwischen sich und dem Autor. Er bewahrte es auf und erwähnte es dann schließlich. Das Tagebuch beschrieb, wie der adoptierte Autor nach seinen wahren Eltern suchte. Die Titel der Songs repräsentieren Namen, die in dem Tagebuch auftauchten. Jeder Namen bringt ihn einen Schritt näher an seine biologischen Eltern.“ “Jedes Stück Musik reflektiert eine Erfahrung oder ein Gefühl dieser Zeit,“ fügt Omar hinzu. „Diese Platte ist offensichtlich durch das Trauma von Jeremys plötzlichem Abschied beeinflusst. Jedoch strich Cedric alles, das zu deutlich auf dieses Ereignis hinwies. Als er zum Beispiel „Now I`m lost“ auf dem ersten Album sang, konnte es auf vieles bezogen werden.“ “Diese LP hätte deutlich wütender ausfallen können. Als wir die letzte Platte aufgenommen hatten, war Julio (Venega, ein Freund der Gruppe und ein Mentor, dessen Leben und Tod De-Loused inspiriert hatte) schon seit 10 Jahren verstorben. Die Gefühle zur aktuellen Scheibe sind viel intensiver und frischer. Aber wir wollten nicht alles offenbaren. Es gibt auch Dinge, die man nicht unbedingt mit jedem teilen sollte, weil sie nun mal zu persönlich sind.“ “Die Geschichte handelt von Isolation und Sucht,” erläutert Cedric. „Ob alles nun tatsächlich passiert ist oder nicht, sei in den Raum gestellt. Der Hörer kann das für sich selbst entscheiden. Wir geben ihm nur die nötigen Puzzlestücke dazu.“ Frances The Mute übernimmt sozusagen die Rolle des Redners. Zum ersten Mal steht Omar hinter den Reglern, um The Mars Volta den nötigen Feinschliff zu verleihen, alles live im Studio eingespielt. Frances setzt sich aus 5 aneinandergereihten Stücken zusammen (ohne Pausen, denn diese würden wie längere Schnitte in einem spannenden Film wirken). Ein typisches Volta Intro „Cygnus Vismund Cygnus“ löst sich schleichend in einer Kakophonie elektronischer Impulse und ambienter Wellenausschläge auf, um dann in einer überwältigenden Ballade „The Widow“ zu münden, die ins treibende „L`Via L`Viaquez“ mutiert, welches den Höhepunkt ihrer bisherigen musikalischen Talente darstellt. Bixler-Zavalas’ haarsträubender En Espanol-Oktavenseiltanz, Rodriguez-Lopez’ mannigfaltige Gitarrenkabinettstückchen und schließlich Schlagzeuger Jon Theodore, der den Geist Bonhams zum Leben erweckt, gleichzeitig aber auch in den richtigen Momente auf die Bremse drückt, um sich den Salsa-Basslinien Juan Alderetes anzupassen. Natürlich durften Ikey Owen und das neueste Bandmitglied Marcel (selber Nachname wie Omar) auch nicht fehlen. Taucht ein und bitte erzählt mir nicht, dass man hier nicht den Classic Rock der Zukunft hört. „Miranda That Ghost Isn`t Holy Anymore“ findet seinen Klimax nach gerade mal 8 Minuten, um dann minutenlang in atmosphärischen Morricone-artigen Soundteppichen zu entquellen und wiederum ins Intro von „Cassandra Gemini“ zu explodieren, das sich 32 Minuten ausdehnt und seinen Endpunkt am Anfang, sprich „Cygnus“, findet. 5 Songs, 75 plus Minuten epischer Musik. Obwohl sich Realität mit Fiktion vermischt (der Hauptdarsteller ist die gebürtige Mutter des Protagonisten Cygnus), klingt Frances weitaus organischer und bescheidener als der Vorgänger, es gibt sogar eine Moral. „Man erfährt so viel über seine Mitmenschen, wenn man sich etwas genauer mit deren Lebensgeschichten beschäftigt. Lernt man z.B. die Eltern einer Person kennen, erfährt man eine ganze Menge über diesen Menschen. Darum geht es in dieser Geschichte. Wenn es eine Moral gibt, dann sagt sie aus, dass die eigene Familie eine wichtige Rolle in deinem Leben spielt. Sie machen sich Sorgen um dich, obwohl du dir so viele Gedanken über Leute machst, die dir nicht so nahe stehen.“ Irgendwie haben es The Mars Volta (trotz ihrer sturen Art, ihren künstlerischen Idealen gerecht zu werden) geschafft, kommerziell erfolgreich zu werden. 2003`s Album De-Loused In The Comatorium basierte auf Cedrics Fantasie. Ein Held namens Cerpin Taxt fällt in ein tiefes Koma, in dem er grandiose Abenteuer erlebt, in deren Verlauf er sich dem Bösen wie auch dem Guten stellt. Nach dem plötzlichen Erwachen entscheidet sich der widergenesene Cerpin trotz allem für den Tod. Unterstützung bekam diese eigensinnige Truppe beim Weg nach oben so gut wie keine, jedoch schafften es The Mars Volta über 500 000 Alben weltweit zu verkaufen. Ihre Live- Auftritte sind inzwischen legendär und überall extrem gefragt. Am Ende des Jahres 2003 war De-Loused In The Comatorium der kleine Liebling etlicher Kritiker und Magazine, seien es SPIN, Entertainment Weekly, the Los Angeles Times, Blender, Maxim, New York Times, Time Out, Guitar World, Modern Drummer, Alternative Press. Revolver, XLR&R, the New York Daily News oder noch viele andere. Bevor De-Loused auf den Markt kam, war The Mars Voltas einziges Output bis dato die Tremulant EP, die auf ihrem eigenen Label Gold Standard Laboratories erschien. Ihre ersten Live-Shows sorgten jedoch rasch für die nötige Aufmerksamkeit unter den Musikkollegen. Rick Rubin war der Produzent des Erstwerks, Flea war als Bassist darauf zu hören, John Frusciante griff auch in die Seiten. Von Anfang an folgten diese Künstler ihrer Vision etwas Leidenschaftliches, Ausgeklügeltes, Innovatives und unglaublich Belohnendes zu erschaffen, das gleichermaßen emotional wie mental funktioniert. “Es fühlt sich so an, also ob wir gerade erst losgelegt hätten,” sinnt Omar. „Jetzt würde ich jemandem unsere Band objektiv vorstellen. Die letzten paar Jahre sind wir sehr gereift. Wir durften vor die Tür und spielen gehen, doch mussten wir irgendwann immer wieder nach Hause laufen. Diese Zeit ist vorbei. Alle Konvention wurden abgelegt. Wir sind eine in sich geschlossen Gemeinschaft guter Freunde, die ihre Gefühle audiovisuell darlegen.“

