Wenige Orte auf dieser Welt sind beeindruckender als die eisigen Klippen an Islands Westküste, jener ruhigen Gletscherlandschaft, die den absoluten Gegenpol zu Jimmy LaValles sonnigem, lebhaft-geschäftigem Domizil in Kalifornien bildet. Und doch beherbergen das isländische Mossfellbaer und Umgebung eins der abgelegensten und zugleich angesagtesten Kreativmekkas, das nur wenigen Außenseitern Einlass gewährt. LaValle, seines Zeichens klassisch ausgebildeter und bekanntermaßen arbeitswütiger Pi...
Wenige Orte auf dieser Welt sind beeindruckender als die eisigen Klippen an Islands Westküste, jener ruhigen Gletscherlandschaft, die den absoluten Gegenpol zu Jimmy LaValles sonnigem, lebhaft-geschäftigem Domizil in Kalifornien bildet. Und doch beherbergen das isländische Mossfellbaer und Umgebung eins der abgelegensten und zugleich angesagtesten Kreativmekkas, das nur wenigen Außenseitern Einlass gewährt. LaValle, seines Zeichens klassisch ausgebildeter und bekanntermaßen arbeitswütiger Pianist und Musiker, zu dessen ambitionierten Projekten San Diegos bahnbrechende Ambient-Piano-Rock-Combo Tristeza, Noisepunk-Act The Locust, die beatlastigen GoGoGo Airheart sowie die düstere, nachdenkliche Epic-Core-Band Black Heart Procession gehören, darf sich zu den wenigen Glücklichen zählen. Seit dem Erscheinen von An Orchestrated Rise To Fall (Linkwork) im Jahr 1999 hat LaValle seine von der Kritik gefeierten Solowerke unter dem (einer Chopin-Kompositition entliehenen) Namen THE ALBUM LEAF veröffentlicht. Die darauf folgenden Releases beeindrucken mit einem stimmungsvollen, nachdenklich-allmählichen Aufbau und von Brian Eno inspirierten Kompositionsatmosphären. Strukturierte Drum- und Bass-Untertöne erden und dirigieren Traumlandschaften, die aus einer Vielzahl von organischen Instrumenten entstehen und sich zu gleichermaßen verspielten wie epischen musikalischen Reisen entwickeln. Bereits während der Entstehung seiner 2003 erschienenen EPs Lifetime Or More (Arena Rock) und Seal Beach (Acuarela) bereitete er sich darauf vor, eine neue, noch experimentierfreudigere Richtung einzuschlagen, indem er seine aufwändig strukturierten Stücke mit minimalistischen Beats mischte. Nichts hätte LaValle jedoch während der Aufnamesessions auf die Erfahrungen vorbereiten können, die ihn in Island erwarteten. "Es war eine Dauereinladung. Sie baten mich immer wieder, sie zu besuchen", erklärt LaValle, der sich mit Islands Erfolgsexport Sigur Rós während ihrer ersten US-Tour angefreundet hatte und die Band bereits ein paar Touren später gelegentlich selbst auf der Bühne unterstützte. Gemeinsam mit Sigur Rós forderten Mitglieder von Amina (Sigur Rós' Streicher) LaValle so lange auf, in den kühlen Norden zu reisen, bis er schließlich nachgab. "Überall sah ich diese verrückte, hügelige grüne Landschaft mit Pferden und Seen. Es war unwirklich. Ich fühlte mich, als ob ich auf dem Mars gelandet wäre", erinnert er sich lachend. Fernab vom regen Treiben seiner gewohnten Umgebung wurde LaValle bewusst, dass er sich in einem völlig anderen mentalen Raum bewegte, der seine Kompositionen für immer verändern würde. Er befand sich IN A SAFE PLACE (an einem sicheren Ort). "Ich hatte schon immer das Gefühl, dass meine Musik perfekt für diese (isländische) Umgebung ist", verkündet er. In Sundlaughin - der Name des Studios bedeutet "Swimmingpool" auf Isländisch - gelang es LaValle mit Unterstützung seiner Gastgeber, darunter Mitglieder von Sigur Rós, Mum, Amina und Black Heart Procession, ein Album zu schaffen, das sich in neue, zum Teil indie-elektronisch gefärbte Gefilde wagt. Beunruhigend zart und poplastiger als je zuvor navigiert IN A SAFE PLACE meisterlich zwischen minimalistischer elektronischer Musik und melancholischem, instrumentalem Neo-Rock. Die Einbeziehung der Vocals von Pall Jenkins (The Black Heart Processions), Jon Thor Birgisson (Sigur Rós) und LaValle selbst ist eine der erstaunlichen Entwicklungen, die aus diesem Gemeinschaftsevent hervorgegangen sind. "Ohne diese Umgebung", verrät er verwundert, "hätte ich bestimmt niemals gesungen!"

