Gute Rock/Punk-Bands aus Deutschland gibt es wie Sand am Meer. Tocotronic, Blumfeld, Kante, Tomte, Boxhamsters, But Alive, EA 80, um nur einige zu nennen. Sie alle machen gute Musik, wirken aber manchmal etwas steif in der Hüfte, d.h. es fehlt ihnen, gewollt oder ungewollt, der nötige Groove. Die Hamburger Superpunk sind da anders. Wenn man irgendwo zwischen Slime und Den Sternen beheimatet ist, hat man es zwar nicht einfach, doch die Superpunker schaffen es dank Soul und "Beweg deinen P...
Gute Rock/Punk-Bands aus Deutschland gibt es wie Sand am Meer. Tocotronic, Blumfeld, Kante, Tomte, Boxhamsters, But Alive, EA 80, um nur einige zu nennen. Sie alle machen gute Musik, wirken aber manchmal etwas steif in der Hüfte, d.h. es fehlt ihnen, gewollt oder ungewollt, der nötige Groove. Die Hamburger Superpunk sind da anders. Wenn man irgendwo zwischen Slime und Den Sternen beheimatet ist, hat man es zwar nicht einfach, doch die Superpunker schaffen es dank Soul und "Beweg deinen Popo"-Attitude nicht in teutonische Rationalität zu verfallen. Hier darf trotz oder gerade wegen der politischen Texte zur Revolution getanzt werden. Garage-Soul Trash Pop nennt sich dann das Ganze. "Es ergibt sich so, wir hören halt gerne Soulmusik, sind aber nicht in der Lage diese Feinheiten nachzuspielen, deshalb braten wir da so drüber. So klingt es wie aus der Garage", erklärt Frontmann Carsten Friedrichs die simple Soundformel. Auf bisher zwei sehr guten Alben kann man sich an dem gelungenen Versuch ergötzen, wenn Soul meets (super) Punk. Doch aller Anfang ist schwer. Nach der Gründung ab dem Jahre 1996 sind nicht weniger als 14 andere musikbegabte Menschen, u.a. auch ein gewisser Jan Müller von Tocoronic, eine zeitlang Mitglied bei der Formation. Der Name ist trotz Massenauflauf schnell gefunden. "Green Day wurden auf MTV damals als die neuen Superpunks angekündigt und als solche wollten wir doch auch immer gelten." Da man aber ein festes Line-Up braucht, um mal etwas auf die Reihe zu kriegen, wird ein Jahr später Butter bei die Fische gebracht. Carsten Friedrichs (v, g), Thies Mynther (k), Lars 'Ornella Wankelmuti' Bulnheim (g), Tim Jürgens (b) und Thorsten Wegner (dr.) bilden das Hamburger Allstar-Team. "Wir sind Kumpels, und damit man sich nicht immer nur zum Unsinn machen trifft, haben wir angefangen Musik zu machen, auf Partys und so zu spielen. Seit drei Jahren steht dieses Line-Up, und mir macht es sehr viel Spaß mit diesen Backpfeifengesichtern zu spielen", so Sänger Friedrich. So grün sind die Jungs nun aber wieder auch nicht, haben sie doch schon vorher bei Bands wie den 5 Freunden, Huah!, The Subway Surfers und Sand8 erste Erfahrungen gesammelt. Keyboarder Thies Mynther ist zudem der Hausproduzent der Sterne und Besitzer eines eigenen Studios. Das 99er Debutalbum "A bisserl was geht immer" wird aber noch bei Bernd Begemann im Hinterzimmer aufgenommen und auf Fidel Bastro klammheimlich veröffentlicht. Über tausend Einheiten gehen von der dreckig und billig produzierten Platte über die Ladentische. "Die Scheibe ist sehr ruppig, roh und ungeschliffen. Sie wurde ja auch im Übungsraum aufgenommen. Ein 8 Spur-Mischpult und ein paar Audio-Cassetten "Chrom 2" haben wir uns da mal geleistet." Textlich fällt auf, dass ihr vor allem die Eigenschaften von den "wirklichen Typen" abgefeiert werden. Mut, Wut und ein großen Herz sind hier Trumpf. Eric Cantona ("Eric Cantona Stomp"), der Gedichte schreibende und in Karate bewanderte Jahrhundertfußballer von Manchester United, Claus Theo Gärtner alias Matula aus dem "Fall für zwei" ("Matula, hau mich raus") und Tatort/Liebling Kreuzberg-Legende Manfred Krug, der die Platte signierte, vereinen sich mit Superpunks Helden des Alltags, die ihre eigenen kleinen Probleme meistern müssen. Wer in Hamburg rockt, muss dies auf L'Age D'Or tun, lautet ein ungeschriebenes Gesetz in der Hansestadt. Und mit der ersten gemeinsamen Tour im Rücken führt der Weg auch schnurstracks dort hin. Mit mehr geldlichen Mitteln im Rücken zieht die Band ins Studio von Thies Mynther. Das Ergebnis kommt Anfang 2001 auf den Markt und hört auf den Namen "Wasser Marsch!". Im Gegensatz zum Debut fällt auf, dass erstens die Produktion druckvoller ist, zweitens auch die Songs noch mehr Power besitzen, d. h. nach vorne lospreschen, als ob es um den Tour De France-Sieg ginge, und dass drittens die Texte politischer geworden sind. "Ein Leben lang haben wir nichts verbrochen / sind bei Ämtern und Chefs zu Kreuze gekrochen / man wendet sich ab von uns - was mich nicht wundert - / denn wir sehen aus wie Kranke aus dem letzten Jahrhundert / Wir sind es leid, uns zu schämen / für unsere Fressen, wenn wir auf die Straßen gehen (...) Ich habe keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen" (aus "Neue Zähne Für Meinen Bruder Und Für Mich"). "Ein schwarzer Wagen auf den Stufen zur Oper / Ein Mann von Ehre und Geschmack trifft auf einen Mann von den Straßen Europas / Der hatte nicht die Absicht, den Fabrikanten zu schlagen / doch 'keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit’, da platzte ihm der Kragen." (aus "Auf Ein Wort, Herr Fabrikant"). Auch der ehrliche tough Guy steht wieder im Mittelpunkt der Platte. "Denn man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen", heißt der Opener. Wann ist man denn ehrlich? Tim Jürgens: "a) Für sich selber. b) Um möglichst wenig Schaden anzurichten bei anderen Menschen, zum Beispiel Leute zu verarschen und sie auszubeuten. Man kann Freund und Feind unterscheiden. Wenn du das kannst, und trotzdem jeden Morgen in den Spiegel gucken und die Gewissensfrage an dich stellen kannst, dann ist alles in Ordnung mit dem was ich mache. Keiner kommt zu Schaden, nicht zu sehr zumindest, höchstens ein dummer Spruch kommt mal vor." 2001 Wasser Marsch! 1999 A bisserl was geht immer

