Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Sehnlichst erwartet, seit nahezu zwei Jahren angekündigt und bereits diverse Male wieder verschoben wird das neue Savatage-Album Poets And Madmen nun endlich im Frühjahr 2001 veröffentlicht. “Wir haben definitiv alles im Kasten”, erklärt ein sichtlich erleichterter Jon Oliva. “Zur Zeit werden die neuen Aufnahmen gemastert, ursprünglich war der Februar als Veröffentlichungstermin vorgesehen, ich denke aber, es wird wohl auf Anfang März hinauslauf...
Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Sehnlichst erwartet, seit nahezu zwei Jahren angekündigt und bereits diverse Male wieder verschoben wird das neue Savatage-Album Poets And Madmen nun endlich im Frühjahr 2001 veröffentlicht. “Wir haben definitiv alles im Kasten”, erklärt ein sichtlich erleichterter Jon Oliva. “Zur Zeit werden die neuen Aufnahmen gemastert, ursprünglich war der Februar als Veröffentlichungstermin vorgesehen, ich denke aber, es wird wohl auf Anfang März hinauslaufen. Es war halt eine Menge harter Arbeit, und die benötigt nun einmal ausreichend Zeit. Zumal Paul ja momentan mit dem Trans-Siberian Orchestra auf Amerikatournee ist, in die auch unser Engineer Dave Wittman involviert ist. Es ist ja nun nicht so, dass wir alle seit Monaten nur Däumchen gedreht haben.” Stilistisch gehen die Songs auf Poets And Madmen zwar nicht unbedingt wieder in Richtung früher Savatage-Werke wie Streets, Sirens oder der EP Dungeons Are Calling, doch das Grundgefühl jener Anfangstage scheint zurückgekehrt zu sein. Ohne jedoch jene orchestrale Ausrichtung der beiden letzten Veröffentlichungen Dead Winter Dead und Wake Of The Magellan zu vernachlässigen, für die speziell Produzent Paul O´Neill gesorgt hat. “Ich denke, es ist ein wirklich spannender Querschnitt aus all dem, was wir in den vergangenen fünfzehn Jahren gemacht haben”, umschreibt Oliva die neuen Songs. “Sicherlich geht es nicht ganz bis zu dem Stil von Hall Of The Mountain King zurück, aber mit dem Geist der ersten Alben, die wir ab 1985 veröffentlicht haben, hat Poets And Madmen durchaus eine Menge gemeinsam.” Der Bezug zu jenen Werken, auf denen Savatage noch zu viert die Bandgeschicke regelten, ist allein schon dadurch gegeben, dass die Band seit dem Split von Al Pitrelli, der zu Megadeth wechselte, und dem überraschenden Ausstieg von Sänger Zachary Stevens nahezu die gesamte Scheibe als Quartett aufgenommen haben. “Es ist ja zum Glück keine neue Situation für Savatage, dass wir zu viert arbeiten. Das hat es in der Bandgeschichte ja schon mal gegeben. Natürlich ist es ein großer Verlust für uns, dass Zakk nicht mehr dabei ist. Andererseits kann ich seine Entscheidung verstehen, denn wir haben für´s nächste Jahr wirklich ein sehr kraft- und zeitraubendes Tournee-Programm vor uns. Ich denke im übrigen, dass es dringend Zeit für Savatage wird, endlich einmal wirklich umfangreich zu touren. Das hat in all den Jahren, in denen die Band nun schon existiert, bislang immer gefehlt. Aber Zakk hat nun einmal Familie, und will seine Frau und seine kleine Tochter nicht so lange alleine lassen.” Entgegen anders lautender Gerüchte haben Savatage noch keinen geeigneten Nachfolger für Stevens gefunden. Ein möglicher Kandidat ist zwar John West, der aktuelle Royal Hunt Sänger, doch entschieden ist momentan noch gar nichts. “Natürlich ist bei unseren Überlegungen auch der Name John West gefallen. Immerhin ist er mit Savatage befreundet, und hat schon einmal bewiesen, dass er menschlich gut zu uns passen würde. Man muss allerdings auch immer erst probieren, ob die Klangfarbe eines neuen Sängers überhaupt zu den Songs passt. Wir werden im Januar mit drei bis vier bekannteren Sängern gezielt auditions durchführen, die alle noch in bestehenden Bands singen. Die Namen werde ich aber zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht bekanntgeben, damit es nicht schon im Vorfeld böses Blut gibt. Immerhin könnte es ja passieren, dass wir einer funktionierenden Band den Frontmann ausspannen. Mit solchen Dingen muss man schon sehr sensibel umgehen.” Denkbar wäre auch noch eine andere Variante: Falls Savatage im Januar nicht endgültig fündig werden, würde zunächst – so wie früher – Jon Oliva sämtliche Gesangsparts übernehmen, mit der Option, dass Stevens eventuell zumindest einen Teil der Tour mitfahren könnte. Vermutlich nicht unbedingt die Ideallösung, aber zumindest ein Konstrukt, das bei vielen Fans auf Zustimmung treffen würde. Sicher ist dagegen, dass es einen Nachfolger für Al Pitrelli, der noch auf ein oder zwei Songs des neuen Machwerks zu hören ist, geben wird. “Je mehr Musiker man in der Band hat, um so größer sind die Klangfarben der Stücke”, sagt Oliva. “Natürlich könnte Chris notfalls auch sämtliche Soli übernehmen, aber das ist es nicht, was wir wollen. Genauso wie bei der vakanten Sänger-Position werden wir im Januar auch diverse verschiedene Gitarristen antesten.” Konkrete Namen will Oliva aus Gründen der Diskretion zwar noch nicht nennen, doch natürlich ist auch der frühere Testament-Saitenmann Alex Skolnick, der ja bereits bei Handful Of Rain involviert war, ein heißer Kandidat für die Rolle des Solo-Gitarristen. Und: “Man weiß ja sowieso nie genau, was noch alles passieren wird. Vielleicht kommt ja sogar Al wieder zurück. Und wenn alle Stricke reißen, werden wir auch die Tournee gegebenenfalls zu viert absolvieren.” Endgültig in trockenen Tüchern ist hingegen das Coverartwork zu Poets And Madmen, das wie schon bei Dead Winter Dead und The Wake Of Magellan erneut aus der Feder von Edgar Jerins stammt. Laut Oliva ist das Artwork “ ... ziemlich dunkel gehalten, a dark, weird and spooky type of cover.” Die Zeichnung hat einen engen Bezug zu der auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte eines amerikanischen Fotografen, dessen Arbeit in Krisengebieten zu derart schweren Traumata führte, dass er später Selbstmord beging. Die Story von Poets And Madmen: Drei Jugendliche brechen unwissentlich in eine mittlerweile geschlossene Psychiatrie ein. Sie entdecken einen Schrank mit Akten ehemaliger Patienten. Einer dieser Patienten war einst ein erfolgreicher Pressefotograf, der u.a. bei Bürgerkriegen in Zentralafrika im Einsatz war, und aufgrund der Brutalität dieser Kriege, speziell aufgrund des Schicksals eines kleinen Mädchens, das elendig verhungerte, seinen Verstand verloren hat. Er verfiel Alkohol und Drogen, und landete schließlich in der Psychiatrie. Nachdem die Anstalt geschlossen wurde, kehrte der Photograph zur Ruine zurück, um dort Zuflucht und Ruhe zu finden. Die Jugendlichen halten fortan Kontakt zu ihm und seinem Schicksal. Unklar ist zur Zeit noch, wie viele der fünfzehn vorhandenen Songs letztendlich auf dem Album erscheinen werden. Sicher ist nur, dass es mindestens elf sein werden, darunter ´Do You See Comissar`, ´I Seek Power`, ´Drive`, ´Cantations`, ´Surrender`, ´Man In The Mirror` und ´Got To Get Back To A Reason`. Und fest zugesagt ist auch eine nur wenige Wochen nach Veröffentlichung startende Weltournee, die möglicherweise sogar in Europa, und damit noch im März, beginnen wird. John Oliva freut sich bereits darauf: “Viele Grüße an alle unsere Fans, sie mögen uns noch vier Wochen Zeit geben, dann werden sämtliche wichtigen Entscheidungen getroffen sein. Wir sehen uns auf Tour!”

