Es gibt Bands, die sich zum Ziel setzen, die Welt durch ihre Musik und durch ihre Texte zu verbessern. Was ja eine gute Sache ist. Wenn diese politische Aktivität und das Durchsetzen dieser Ziele der Band aber wichtiger erscheint als ihre Musik, dann ergeben sich dadurch leider unlösbare Probleme. So geschehen im Fall Refused. Nach dem Split der schwedischen Hardcoreband Step Forward beschlossen deren Ex-Mitglieder Dennis Lyxzèn und David Sandström im Januar 1992 eine neue Schreiband zu grün...
Es gibt Bands, die sich zum Ziel setzen, die Welt durch ihre Musik und durch ihre Texte zu verbessern. Was ja eine gute Sache ist. Wenn diese politische Aktivität und das Durchsetzen dieser Ziele der Band aber wichtiger erscheint als ihre Musik, dann ergeben sich dadurch leider unlösbare Probleme. So geschehen im Fall Refused. Nach dem Split der schwedischen Hardcoreband Step Forward beschlossen deren Ex-Mitglieder Dennis Lyxzèn und David Sandström im Januar 1992 eine neue Schreiband zu gründen, die sich anfangs stark am Sound der New Yorker Hardcore Legende Gorilla Biscuits orientierte, aber nicht vergaß, Metal ihren Tribut zu zollen. Ihr erster Auftritt bestand aus zwei Eigenkompositionen, einem AC/DC ("Back in Black")- und vier Gorilla Biscuits Covern. Refused waren geboren. Das erste 7-Track-Demo (damals noch mit sehr persönlichen Texten) fand in der schwedischen Hardcoreszene schnell und reichlich Anklang, worauf nach kurzer Zeit das skandinavische Punklabel schlechthin "Burning Heart Records" Interesse bekundete. Die Band sagte zu und veröffentlichte 1993 ihr Debut "This Just Might Be... The Truth". Mit diesem Album katapultierten sich Refused in die erste Liga der boomenden skandinavischen Punk/Hardcoreszene und auch im restlichen Europa wurden die Ohren gespitzt. Im Gegensatz zu den Labelkollegen (Millencolin, Satanic Surfers, usw.), die hauptsächlich dem typischen Skate/Fun-Punk-Lager (inkl. Baggypants, Beerbong, Kickflip und Nietengürtel) entsprangen, beriefen sich Refused auf ihre Straight Edge-Wurzeln (80er Geggenbewegung zum Assi-Punk: drogenfrei, motiviert und vegetarisch) und wurden schon vor den Aufnahmen ihres ersten Albums zunehmend politischer und revolutionärer. Eine tiefe Spur antikapitalistischer Aussagen durchzog die provokativen Texte und die Band mauserte sich zum musikalischen Sprachrohr der extrem Linken. Die dicken Booklets taufte man um in "Manifeste" und füllte sie mit kleingedruckten Gedanken über die herrschende Weltordnung und wie man diese in eine sozialere Welt verwandeln könnte. Alles natürlich immer as intellectual as you can be. Refused waren keine biertrinkende und dreckige Punkband mit typischen "Everything sucks"-Lyrics, sondern streng Straight Edge, mit schnieke Anzügen und gekämmten Haaren. Die Intelligenzia des Punkrock. Ihr Zweitling "Songs To Fan The Flames Of Discontent" heizte 1996 den Erfolg der Band weiter an: es folgten ausgiebige Touren durch die ganze Welt, ein Video zum Song "Rather be dead" und ein riesiger Medienrummel. Die Band wurde als Hoffnung des Hardcore gefeiert. Refused schlugen 1998 zurück und veröffentlichten mit "The Shape Of A Punk To Come" ein Album, das inwzischen zum Pflichtprogramm für jeden Hardcore-und Punkfan gehört. Dennis Lyxzèn (Vocals), David Sandström (Drums), Kristofer Steen (Bass) und Jon F. Brännström (Gitarre) schufen ein Werk, das an Intensivität und grandiösen Songwriting kaum zu überbieten ist. Plötzlich waren Refused keine Szenekönige mehr, sondern weltweit gefragte Popstars und Interviewpartner, die die Alternativecharts gehörig aufräumten. Allerdings fühlte die Band, dass ihre politischen Ziele von den Medien nicht verstanden bzw. für unwichtig gehalten wurden. Der Hype stand im Vordergrund. Das eigentliche Ziel, ihr "revolutionary program" im Zuge ihrer Popularität den breiten Massen darzustellen, war gescheitert. Während der 98er US-Tour beschloss die Band sich aufzulösen und gab ihr letztes Konzert am 6. Oktober in Harrisonburg, Virginia. Inzwischen steht Dennis Lyxzèn bei der International Noise Conspiracy hinter dem Mikro, schrammelt 60's Punkrock und singt immer noch gegen den Kapitalismus. Seine Videos laufen bei MTV und die Conspiracy tritt bei der Popkomm auf. Jetzt scheinen sich diese Widersprüche wohl vereinen zu lassen. 1998 The Shape Of Punk To Come 1996 Songs To Fan The Flames Of Discontent 1993 This Just Might Be... The Truth

