Spindeldürr, fettige Haare, keine Modelfresse, tanzt recht ungelenk und dennoch - Jarvis Cocker ist ein Sexsymbol. Frauen, die man sich persönlich nicht einmal anzuschauen wagt, verehren den Frontman der Gruppe Pulp abgöttisch. 1978 gründete Jarvis die Band, damals noch unter dem Namen "Arabicus Pulp". Ein Jahr später nannte man sich dann nur noch "Pulp", spielte einige Gigs, nahm 1980/81 ein Demoband auf und drückte dies John Peel in die Hand. Der fands Klasse und lud di...
Spindeldürr, fettige Haare, keine Modelfresse, tanzt recht ungelenk und dennoch - Jarvis Cocker ist ein Sexsymbol. Frauen, die man sich persönlich nicht einmal anzuschauen wagt, verehren den Frontman der Gruppe Pulp abgöttisch. 1978 gründete Jarvis die Band, damals noch unter dem Namen "Arabicus Pulp". Ein Jahr später nannte man sich dann nur noch "Pulp", spielte einige Gigs, nahm 1980/81 ein Demoband auf und drückte dies John Peel in die Hand. Der fands Klasse und lud die Band in seine Show ein. Doch dabei blieb es dann auch, es gab leider keine Deals mit Plattenfirmen. Und frustriert verließen sie ihn: Cocker stand alleine mit Pulp da, seine Mitstreiter gingen 1982 lieber an die Uni. Jarvis heuerte neue Mannen, darunter auch Keyboarder Simon Hinkler (später bei The Mission) an. Zusammen spielte man das Album "It" ein, welches jedoch zum kommerziellen Flop wurde und zum zweiten Mal war der Sänger allein. Der holte den Gitarristen/Violinisten Russell Senior an Bord, die beiden verpflichteten den Drummer Magnus Doyle und Peter Mansell am Bass. Musikalisch nahmen Pulp vom leicht folkig angehauchten Touch Abstand, nicht zuletzt durch die neue Keyboarderin Candida Doyle. Gerade als es vorwärts zu gehen schien, verletzte sich Cocker recht heftig. Schuld waren die Frauen, besser gesagt eine davon. Cocker wollte diesem Geschöpf imponieren, stürzte bei seiner Poser-Action aus einem Fenster und landetet 30 Fuß tiefer auf der Fresse, verletzte sich an Füßen, Handgelenken und einigem mehr. Zwei Monate war er an den Rollstuhl gefesselt, ließ es sich aber trotzdem nicht nehmen, Gigs zu spielen. That's Rock'n'Roll. Nach der Veröffentlichung von "Freaks" und internen Turbulenzen hatte die Band gegen 1987 ein stabiles Line Up. Cocker zog 1988 nach London und begann Film am St. Martin's College zu studieren. "Separations", eine weitere Platte entstand in dieser Zeit, wurde aber erst 1992 veröffentlicht. Pulp trennte sich von Fire Records und veröffentlichte aufbauend auf dem Erfolg von "My Legendary Girlfriend" beim Gift-Label einige weitere Singles. "Babies" war eine dieser Auskopplungen und verschaffte ihnen den Majordeal mit Island Records, bei dem unter anderem auch U2 unter Vertrag stehen. His ’N’ Hers das Majordebut erklomm die britischen Top Ten, bekam ausgezeichnete Kritiken und Pulp waren fett im Geschäft. Cocker bescherte der neue Ruhm fast schon eine Omnipräsenz in der britschen Medienlandschaft. Er wurde irgendwie zu einer Art Nationalheld hochstilisiert und wurde ganz nebenbei auch noch zum Sexsymbol verklärt. 1995 knallte es dann so richtig bei Pulp: Die Single "Common People" wurde ein Riesenhit und landete auf Platz zwei der UK-Singelcharts. Auf dem Glastonbury Festival spielte Pulp in diesem Jahr ebenfalls im Headlinerfeld, nachdem die Stone Roses kurzzeitig absagen mussten. Dieser Auftritt katapultierte sie in England in den Status Superstar und pushte das Album "Different Class" mächtig. Eine zweite Vorab-Singel "Mis-shapes" wurde eingeschoben und erreichte ebenfalls Platz zwei. "Different Class" stieg von 0 auf 1 in die Albumcharts ein und erreichte bereits in der zweiten Woche Platinstatus. Der Erfolg führte zu weltweiten Aktivitäten der Band ("Different Class" wurde im Februar 1996 auch in den USA veröffentlicht). Die ganze Popstar-Palette brach somit über die Gruppe herein. Den Pulp-Style entwickelte man 1998 mit dem Album "This Is Hardcore" und der Vorabsingle "Help the Aged" konsequent weiter. Die Scheibe wurde von Fans und Kritikern gleichsam heiß erwartet und erhielt in diversen Kritiken äußerst positive Resonanzen, bloss die Kaufzahlen verhielten sich nicht kongruent dazu. Noch immer hatten wohl zu viele "Disco 2000" in den Ohren und konnten sich nicht auf die sehr filigran gestrickten und hervorragend arrangierten Kompositionen einlassen. Das Titelstück "This Is Hardcore" sowie "A Little Soul" wurden ausgekoppelt. Der Hype blieb, wenn auch etwas abgeschwächt, erhalten. Pulp sind noch immer aktiv. Im Frühsommer '99 spielen sie einige Gigs mit teilweise neuem Material; ein neuer Longplayer ist für Oktober 2001 angesetzt. Auf einen Namen für die neue Scheibe wollen sich die Briten zunächst nicht festlegen. Jarvis Cocker meint dazu: "Das neue Album könnte 'This Is Different' heißen. Es sind natürlich neue, andere Sachen darauf. Denn das Schlimmste ist, wenn man sich wiederholt. Denn das Schlimmste ist, wenn man sich wiederholt. Denn das Schlimmste ist, wenn man sich wiederholt ..." Dann entscheiden sie sich plötzlich für "Pulp Love Life". Puh, gerade noch rechtzeitig vor Druckbeginn. Als das heiß ersehnte Teil Mitte Oktober in die Redaktion geflattert kommt, prangt auf dem Cover schlicht "This Is Life". Und nach den Anschlägen auf das WTC wollen Pulp ein positives Zeichen setzen und nennen das Ding "We Love Life". Uff. Arbeitswütig wie er ist, gibt sich Jarvis jedoch nicht allein damit zufrieden, ein Paar Singles auszukoppeln und dem Geld beim fließen zuzusehen. Nein, er will etwas neues ausprobieren. Er möchte einen Film drehen. Dieser spielt im Cocker's Heimatstadt Sheffield der siebziger und achziger Jahre, könnte also genau so gut von dem excentischen Popstar selbst handeln. Grundlage ist der Roman "Slow Down, Athur And Stick To Thirty" (im Deutschen unter dem Titel "Ziggy Hero" erschienen) von Harland Miller. 18 Monate hat Jarvis gebraucht, um die Produzenten davon zu überzeugen, dass er der geeignete Regisseur ist. "Ich musste ihnen erst klar machen, dass das nicht einfach ein verrücktes Popstar-Hobby ist." Um dies zu unterstreichen hat er einen Filmemacherkurs an der St Martin's School of Art belegt. Ihm ist klar, dass ein Fildreh aufwendiger ist, als ein Album aufzunehmen ... und auch länger dauert. Wird es nun noch länger bis zum nächsten Pulp-Album dauern als das letzte Mal? Das wäre Jarvis wahrscheinlich egal, denn wenn er sterben würde, bevor er einen Film gemacht hat, würde er sein Leben als Misserfolg deuten. 2001 We Love Life 1998 This Is Hardcore 1995 Different Class 1994 His'n'Hers 1992 Separations 1986 Freaks 1983 It

