Paddy McAloon mag keine Tourneen. Das letzte Mal tourte er 2000 - nach einer zehnjährigen Pause. Er ist 32 Jahre alt, als er beschließt, dass er Tourneen nicht mag. Mit 42 kann er sich nicht mehr erinnern, weshalb eigentlich. Und dann versucht er es eben noch einmal, vielleicht um den Grund für diese Abneigung zu finden: Er sagt, er kann sich nicht konzentrieren, nicht zwei Stunden lang, so lang wie eine Show dauert. Er verliert den Faden, wenn jemand aus dem Publikum dazwischen schreit. Er ...
Paddy McAloon mag keine Tourneen. Das letzte Mal tourte er 2000 - nach einer zehnjährigen Pause. Er ist 32 Jahre alt, als er beschließt, dass er Tourneen nicht mag. Mit 42 kann er sich nicht mehr erinnern, weshalb eigentlich. Und dann versucht er es eben noch einmal, vielleicht um den Grund für diese Abneigung zu finden: Er sagt, er kann sich nicht konzentrieren, nicht zwei Stunden lang, so lang wie eine Show dauert. Er verliert den Faden, wenn jemand aus dem Publikum dazwischen schreit. Er ist alt geworden, der Gründer von Prefab Sprout, der Band aus dem nordenglischen Newcastle, die Anfang der Achtziger Jahre im Popzirkus auftauchte. Und er weiß es, er hat die Reaktionen gesehen: Das Publikum erkennt ihn auf der Bühne nicht mehr, die Presse druckt alte - junge - Fotos ab. Fotos von damals, als Paddy noch anders, frisch aussah. Damals, mit seinem Bruder Martin McAloon am Bass und dem Drummer Neil Conti. Jazziger Pop mit Synthies und akustischem Klängen im Hintergrund, abgerundet mit der schönen Background-Frauenstimme von Wendy Smith, Paddys Exfreundin. Dazu intelligente kunstvolle Texte (und höchstgelobte dazu), brilliant inszeniert auf ihrem Debutalbum "Swoon" vom Jahr 1984. Neben hübsch verpackten und akkurat gefönten Bands wie Human League und New Order sucht Paddy mit Prefab Sprout nach den Inhalten des Seins: Worte werden mit Musik vermischt, arrangiert und symbiotisch verwoben. 1985 erscheint das Nachfolgealbum "Steve McQueen", produziert von Thomas Dolby. Dank der Mitwirkung von Stevie Wonder und Pete Townshend löst das Album ziemlich gemischte Reaktionen aus, eine davon heißt "bestes Album der Popgeschichte". Während sich die Band nach dem 88er Album "From Langley Park to Memphis" ein wenig Zeit zum Luftholen gönnt, erscheint im Jahr 1989 "Protest Songs" nach vier Jahren Archivierungszeit eine Sammlung von Liedern, die ursprünglich schon 1985 als Nachfolgealbum von "Steve McQueen" für nur eine Woche (!) in den Läden stehen sollte. Das eigentliche Comeback soll dann 1990 vonstatten gehen. "Jordan: The Comeback" heißt das Album und handelt Religionen und amerikanische Mythen wie Elvis Presley aus europäischem Blickwinkel ab - Themen, die Paddy McAloon inzwischen faszinieren. Der Erfolg von "Jordan" ist allerdings mäßig. Nachdem 1992 ein Best-Of-Album erscheint, verlässt Neil Conti die Band und erst fünf Jahre später erscheint "Andromeda Heights", dann 1999 "The 38 Carat Collection". Er ist alt geworden, seit er im zarten Alter von vierzehn den Namen "Prefab Sprout" erfand und erst sehr viel später für seine Band benutzte: Ein ungewöhnlicher Name war damals enorm wichtig, wie etwa Tyrannosaurus Rex oder Grand Funk Railroad. Für die nun auftretenden Konzentrationsschwierigkeiten auf der 2000-Tour (bei der Neil Conti wieder an den Drums zu sehen war) ist er allerdings immer noch viel zu jung. Sagen wir, er ist einfach ein Studiomusiker - aber das auch nur manchmal. Sieben Studioalben in fast 20 Jahren sind wahrlich keine Fließbandproduktion. Wenn er Lust hat, macht er eins und sein letztes vom Jahr 2001 heißt "The Gunman and Other Stories". 2001 The Gunman and Other Stories 1999 The 38 Carat Collection 1997 Andromeda Heights 1992 The Best of: A Life of Surprises 1990 Jordan: The Comeback 1989 Protest Songs 1988 From Langley Park to Memphis 1985 Steve McQueen 1984 Swoon

