1. Du gehst aus dem Geschäft und am liebsten würdest du die Platte wie ein Schild vor dir hertragen. Du gehst nach Hause, sperrst dich ein in dein Zimmer. Und dann setzt du dir die Kopfhörer auf und drehst auf. Turn it up, turn it up, turn it up. Du sitzt auf dem Boden, in der Mitte, denn das ist der ideale Platz zum Hören, die Sonne scheint dir ins Gesicht. Dann schließt du die Augen, dein Herz klopft schnell, die Hände sind nass geschwitzt, das Telefon soll ruhig weiter läuten. Du kommst d...
1. Du gehst aus dem Geschäft und am liebsten würdest du die Platte wie ein Schild vor dir hertragen. Du gehst nach Hause, sperrst dich ein in dein Zimmer. Und dann setzt du dir die Kopfhörer auf und drehst auf. Turn it up, turn it up, turn it up. Du sitzt auf dem Boden, in der Mitte, denn das ist der ideale Platz zum Hören, die Sonne scheint dir ins Gesicht. Dann schließt du die Augen, dein Herz klopft schnell, die Hände sind nass geschwitzt, das Telefon soll ruhig weiter läuten. Du kommst dir plötzlich vor wie der Typ aus diesem Film. Sein Schnellkochtopf explodiert und der Druck ist so groß, dass es ihn meterweit nach hinten schleudert, ihm zieht’s den Boden unter den Füßen weg, ist ja ein Film, dem Typ passiert nichts, er liegt nur wie benommen da und denkt sich, geil, was war das denn? Repeat. Du wusstest vorher noch nicht, ob es dein Lied werden würde, aber du hattest da so ein Gefühl. Und dann, Wochen später, erkennst du es im Radio, schon nach den ersten zwei Takten, denkst dir, damit könntest du auch locker bei Gottschalk antreten. I am on my way. Um ehrlich zu sein, den Sänger und den Bassisten oder vielleicht war’s auch der Drummer – irgendwie findest du alle vier Jungs dieser Band ziemlich toll. 2. Nova International kennen dieses Gefühl so gut wie du selbst: I’m 24, my life is real. My days go by, I’m walking in. Gut vier Jahre schleppen sie ihre Lieder in Augsburg und auch weiter mit sich herum, machen selbst Aufnahmen mit verschiedenen Produzenten und spielen viel live. Dann stoßen sie auf Phil Vinall, der schon mit Placebo, Das Pop und Elastica gearbeitet hat. Ein Traum, mit dem aufzunehmen. Einer, der von der deutschen Musikszene keinen Schimmer hat, wie auch, Engländer interessieren sich für Musik fern der Insel nicht sonderlich. Wo liegt eigentlich Augsburg? Das finden Nova International gut, denn so können sie sich unvoreingenommen an die Arbeit machen. Nach der ersten Probesession in Frankreich (Noyant La Gravoyeres) ist klar: Phil is the man. Er erkennt nicht nur die Seele der Songs, sondern er weiß auch, wie sie sich musikalisch ausdrücken lässt. Dabei ist er kein Perfektionist, wohl aber ein Idealist. Nova International können endlich die zwei Pole der Musikwelt zusammenbringen: Gitarre meets Elektronik, aber nicht so, dass es klingt wie Brei oder gezwungen hip oder entmenschlicht. Das haben sie sich schon seit Jahren so gedacht, bloß die Form dafür musste noch gefunden werden. Die Jungs sind bis dahin gewohnt, alles step by step aufzunehmen, doch Vinall wirft ihr Konzept durcheinander, sie zerhacken jeden einzelnen Song bis auf das Grundgerüst, um ihn dann unter chaotisch-neurotischem Stress in einer vollendeten Eleganz wieder zusammen zu bauen. Bis alles glänzt, aber nicht so, wie Wasserhähne in einem Fertighaus-Bad, nein, das glänzt mit Würde. 3. Bei Nova Int. geht es um Pop. Um das kokette Zitieren von Zeichen und Gefühlen und im Zusammenhang ergibt das dann was ganz Neues, komisch, irgendwie glaubst du Nova International zu kennen. Es dreht sich um Erzählungen, die wie kleine Episoden aufblitzen, wenn du kurz über dein Leben nachdenkst. Diese Momente sind manchmal so klein, dass sie wahrscheinlich auf ein Polaroid passen würden, aber für dich haben sie mal ganz viel bedeutet, vielleicht so viel wie dein Leben überhaupt. Da war einmal dieses Most-wanted-Girl aus dem Plattenladen, deine Traumfrau. Oder der Traum vom Starsein, über den hast du damals mit deinem besten Freund auf dem kalten Flurboden diskutiert, danach hattest du deinen ersten Apfelkorn-Rausch. Oder das Alleine-Zuhause-Sein-Zelebrieren. Du hast jeden Moment ausgekostet. Ob du nun gelitten, geliebt oder gelacht hast. Ja, und die Songs? Sagen wir so, es muss eine spannende Reise gewesen sein, die diese vier Jungs da in ihren knapp 100 Produktionstagen gemacht haben. Da wurde auseinandergenommen, was zusammengehört und zusammen gefügt, was auseinander gerissen wurde. Die Songs wirken, als seien sie wie in einer Art produktiven Manie entstanden, ganz schnell und besessen und zielgerichtet. Mit ihnen sind Nova International da angekommen, wo Musik was auslöst. HISTORY 1998 - Die erste CD. Während alle noch dem Grunge hinterher trauern, orientieren sich Nova (damals noch ohne „International“) an smartem Gitarrenpop. Vier Jungs spielen Musik, inspiriert aber losgelöst von Trends. Im Mai 1998 gewinnt das Quartett den Titel „Band des Jahres“, eine der renommiertesten Auszeichnungen in Süddeutschland und damit seine erste CD-Produktion. Dass sich nach dem gewonnenen Wettbewerb angeblich Dieter Bohlen bei Nova International gemeldet habe, finden die vier lustig, interessanter ist es, dass tatsächlich Produzent Mario Thaler (Notwist, Tocotronic, Miles) anklopft, mit dem sie später zusammen arbeiten werden. Die erste EP „Star“ mit fünf Songs wird jedoch erst einmal von Alaska Winter (Bananafishbones, Liquid Loop, NTS) produziert. Die Auflage von 500 Stück erscheint im Oktober, wird auf Konzerten verkauft und ist schnell vergriffen. 1999 - Es muss immer weiter gehen… Im Januar 1999 beginnen die Aufnahmen zur zweiten CD mit Alaska Winter, die 7-Song-EP trägt den Titel „2“; Fertigstellung und Release folgen im Februar. Durch ihre Auftritte bei Rock im Park und Rock am Ring im Mai wird die nationale Musikszene auf Nova aufmerksam. Im Juli gehen sie mit Mario Thaler für eine Woche ins Weilheimer Studio. 2000 - Die eigene Tour. Der Verlagsvertrag bei Warner Chappell ermöglicht Nova im Januar 2000 neue Optionen. Ein weiterer Produzent erarbeitet mit ihnen den Status Quo: Olaf Opal (Liquido, Readymade, Reamonn) und im Juli sind sie für zwei Wochen im Düsseldorfer Studio. Sie sehen diese Zusammenarbeit als wichtige Momentaufnahme und erkennen, dass sie sich weiter entwickeln wollen. Im August präsentieren sich Nova auf der Popkomm Plattenindustrie und Fans im Kölner Stollwerk neben Jimmy Eat World, Readymade und Naked Lunch. Im September und Oktober 2000 supporten sie die Tourneen von Miles und Liquido. Weihnachten 2000: Im Dezember gehen Nova auf ihre erste Headliner-Konzertreise „X-Mas Cracker Tour“ durch Deutschland und Österreich. 22 Clubs, viele neue Fans und die erste Fanpage sind das Ergebnis. Die vier auf engstem Raum drei Wochen on tour – das verbindet. 2001 – Beharrlichkeit. Sich immer wieder neu entdecken, sich perfektionieren und selbst überraschen, ohne sich dabei zu wiederholen – das ist ihr musikalischer Anspruch. Mit der Verabschiedung des Milleniumjahres trennen sich Nova von alten Mustern. Die „Villa Nova“ in Augsburg wird zum Zentrum ihres Lebens – in ihrem Übungsraum erarbeiten die vier die Basis des neuen Songmaterials, lernen, elektronische, tanzbare Elemente live einzubauen. Im Mai 2001 spielen sie an der Seite von Stephen Malkmus (Pavement) in München. Mehrere Plattenfirmen interessieren sich für sie, die Jungs lassen sich mit der Entscheidung Zeit, handeln bedacht. Die Wahl fällt schließlich im Oktober 2001 für die BMG Ariola München. 2002 – Aufnahmen und Debüt. Vier Jahre sind vergangen, bis Nova ihr Debütalbum aufnehmen. Ihre Songs entstehen im Kollektiv, jeder einzelne bringt sich musikalisch ein – das braucht Zeit und intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Ansprüchen und Vorstellungen. In den Jahren intensiven Probens haben die vier gelernt, ihre Vorbilder abzuschütteln und auf ihre eigenen Wurzeln zu vertrauen. Nova sind jetzt Nova International. Sie distanzieren sich von den „typischen Nova“, hinterfragen kritisch ihre Position, betrachten sich von außen und finden dabei ihren Kern wieder. Sie sind selbstbewusst, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen, haben Tiefgang und wollen doch unterhalten. Gratwanderung zwischen Dandytum und Schüchternheit. Was bleibt, ist Spielfreude und die Lust an Neuem. Nova International fühlen sich reif, ihr Debüt aufzunehmen und tun es in den Black Box Studios in Frankreich, wo bereits Tocotronic, Surrogat und Steve Albini produzierten. An der Seite von Phil Vinall (Placebo, Elastica, Das Pop) entstehen Songs, die sich aus einem großen Fundus der Popgeschichte bedienen, ohne dabei an Originalität zu verlieren. Die Verknüpfung vielfältiger Stilmittel der Popmusik – 70er Blondie-Flair („Favourite Girl“), 80er-Plastik-Pop, Powergitarren der 90er („Star“), melancholische Größe („Fly away“) – eine eklektische und verspielte Verschmelzung von Gitarrenpop und Elektronik, auch vor Dance-Einflüssen scheuen sich Nova International nicht („Dance in Berlin“). Die Synthese ihres bisherigen Schaffens, - „One Decision“ – ist ihr jüngster Song und wird zusammen mit drei anderen Tracks am 2. Dezember als EP veröffentlicht.
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