Wer Ende 2001 wie eine originelle Mixtur aus DMX und Busta Rhymes klingt, inklusive deren Charisma, hätte selbst als Newcomer die besten Voraussetzungen, um im Rapgame eine erfolgreiche Karriere starten zu können. Wenn dieser Jemand auch noch ein alter Hase ist, stehen die Chancen auf die viel beschworene Longlivity in der Hip Hop-Elite mehr als gut, denn Talent allein ersetzt weder Erfahrung noch Routine. Doch davon hat Rapper Mystikal reichlich. Immerhin kann er bereits auf vier Soloscheibe...
Wer Ende 2001 wie eine originelle Mixtur aus DMX und Busta Rhymes klingt, inklusive deren Charisma, hätte selbst als Newcomer die besten Voraussetzungen, um im Rapgame eine erfolgreiche Karriere starten zu können. Wenn dieser Jemand auch noch ein alter Hase ist, stehen die Chancen auf die viel beschworene Longlivity in der Hip Hop-Elite mehr als gut, denn Talent allein ersetzt weder Erfahrung noch Routine. Doch davon hat Rapper Mystikal reichlich. Immerhin kann er bereits auf vier Soloscheiben zurück blicken. Fehlt nur noch ein starkes Team, um die Meisterschaft in diesem Jahr nach New Orleans zu holen. Und auch hier hat sich Mystikal beste Vorraussetzungen geschaffen. Die Dirty South-Produzentenduos der Neptunes und Organized Noise (Outkast) servieren ihm für sein neuestes Werk "Tarantula" ein paar ihrer feinsten Beats. Michael Ernest Tyler, alias Mystikal, ist einer der ersten und bekanntesten Rapper aus New Orleans aka The Big Easy aka Crescent City im "dreckigen Süden" der USA (Bundesstaat Louisiana). Anfang der 80er in den goldenen Jahren des Hip Hop fängt der kleine Mystikal Mike, inspiriert von Local Hereos wie Mannie Fresh oder MC Thick, selbst an zu rappen. Doch bevor er es zu höheren Meriten im Rapgame bringen kann, muss Tyler erst seinem Land im Golfkrieg gegen Sadam Hussein dienen. Wieder daheim gründet er die Boot Camp Click, die jedoch niemals ans Licht der Öffentlichkeit tritt. Vielmehr nimmt seine Solokarriere schnell konkrete Formen an, und schon 1994 veröffentlicht "Mystikal" sein gleichnamiges Debut. Das Album geht auf Grund der Konkurrenz von New Yorker Rapgrößen wie Jeru The Damaja, den Gravediggaz oder Gang Starr zuerst ein wenig unter. Die G-Funk-Ära neigt sich zwar dem Ende entgegen, doch New Orleans ist eben nicht der Big Apple. Zudem ist Big Boy Records nur eine kleine regionale Plattenfirma. Doch trotz New Yorker Dominanz entdeckt Jive Records die Qualitäten Mystikals und re-released 1995 sein Debut mit ein paar neuen Songs sowie dem neuen Plattentitel "Mind Of Mystikal". Dank Mystikals Flowpower wird die Scheibe trotz angestaubter G-Funk-Beats zum Underground-Hit. Immerhin 500.000 Menschen vertiefen sich in die "Seele des Mystikal". Seine kommerziell erfolgreichste, aber auch künstlerisch umstrittenste Phase sollte jedoch noch folgen. Mystikal arbeitet in den Jahren 96-99 mit keinem geringeren als Rapmogul Master P zusammen. Es beginnt mit einem Feature auf Steady Mobb'n's "Its On" und mit seinem Beitrag zum "Bout It"-Soundtrack "What 'Cha Think". Master P soll nach Hören des Songs gesagt haben, "this is the type of lyrics that should be said on my label". Zudem erfahren beide fast zur gleichen Zeit einen Schicksalsschlag. Master P's Bruder Kevin und Mystikals Schwester Michelle werden ermordet. Michelle fällt der Eifersucht ihres Freundes Damion Neville (Enkel des Neville Brothers' Charles) zum Opfer. Auf Mystikals "Not That Nigga" singt den Refrain. Die ganze Tragödie beschreibt ihr Bruder in seinem Song "Murder 2". Der No Limit Army gehören auf dem Höhepunkt neben Mystikal und Master P u.a. noch Snoop Dogg, Silkk the Shocker. Fiend, Mac und C-Murder an. Doch Mystikal ist das beste Pferd im Rapstall, selbst Snoop Dogg kommt nicht an dessen Verkaufszahlen ran. Für sein No Limit Debut "Unpredictable" erhält er dreifach Platin (3 Millionen Alben) und für den Nachfolger "Ghetto Fabolous" stößt immerhin noch einmal Platin in die Trophäensammlung dazu. Doch danach ist Ende mit der Herrlichkeit. Meister Percy Miller sonnt sich ja gerne in seinem Ruhm und beansprucht ihn zu meist gänzlich für sich, doch im Nachhinein stellt sich die Frage, wer hier wen gepusht hat. Denn als Mystikal dem No Limit-Label den Rücken kehrt, geht es auch mit Master P und Konsorten bergab. Mystikal jedoch erweist sich als cleverer Buisness-Mann, erkennt die Zeichen der Zeit und wechselt zurück zu Jive Records. Dort kann er als einziger No Limit Soldier neben Snoop an alte Erfolge anknüpfen. Ja, er gewinnt sogar neue Fans hinzu. Schuld daran ist sein 2000er Werk "Let's Get Ready" bzw. die Hitsingles "Shake Ya Ass" und "Danger". Unterstützt von den Produzententeams Organized Noise und Neptunes etabliert sich Mystikal mit Outkast auch international an der Spitze der aufflammende Dirty South-Bewegung. So hat er als einziger Dirty South-Act neben Outkast auch bei uns einige Fans. Das hängt zum größten Teil wohl mit seinem sehr sympathischen Auftreten während der Deutschland-Tour 2001 zusammen. Hier zeigt Mystikal, dass auch Rapper aus dem Süden ihren Hip Hop leben und auf oberflächliches Getue verzichten können. Bestes Beispiel für seine Down To Earth-Mentalität ist die Kollabo mit dem Berliner Emcee Bektas, der ihn sofort begeistern kann. Doch der Platz auf dem Rap-Olymp muss im heiligen Hip Hop-Land verteidigt werden. Deswegen legt der Osterhase Mitte März ein neues Mystikal-Album ins Nest. Mit von der Partie sind u.a. einmal mehr die Neptunes, sowie das Duo Infernale Redman und Method Man. Zudem arbeitet der mittlerweile 31-Jährige und zweimalige Familienvater angestrengt an einem eigenen Label, das wahrscheinlich den Namen Big Truck Records tragen wird. 2002 Tarantula 2000 Let's Get Ready 1999 Ghetto Fabolous 1997 Unpredictable 1995 Mind Of Mystikal 1994 Mystikal

