"Hey, haben wir uns nicht schon mal gesehen?" fragt Mick Jagger Linda McCartney Anfang der 70er Jahre schelmisch auf einer Party. "Yeah, ich habe dich in New York gevögelt," antwortet die mittlerweile verstorbene Gattin des Beatles-Bassisten nonchalant. Wie die Konversation weitergeht, geht aus ihrem Fotoband über die 60er Jahre nicht hervor, jedoch wirft sie ein Licht auf Jaggers Fähigkeiten und Interessen. Denn zumindest in der Öffentlichkeit ist das Aufreißen unzähliger...
"Hey, haben wir uns nicht schon mal gesehen?" fragt Mick Jagger Linda McCartney Anfang der 70er Jahre schelmisch auf einer Party. "Yeah, ich habe dich in New York gevögelt," antwortet die mittlerweile verstorbene Gattin des Beatles-Bassisten nonchalant. Wie die Konversation weitergeht, geht aus ihrem Fotoband über die 60er Jahre nicht hervor, jedoch wirft sie ein Licht auf Jaggers Fähigkeiten und Interessen. Denn zumindest in der Öffentlichkeit ist das Aufreißen unzähliger Schönheiten neben dem Singen seine erfolgreichste. 1943 im englischen Dartford geboren, gründet er während seines Studiums an der renomierten London School Of Economics mit dem Gitarristen und Jugendfreund Keith Richards die zweitberühmteste Rockband der Welt: die Rolling Stones. Seine großen Lippen, die durch den dürren Oberkörper besonders hervorstechen, und sein schmachtender Blick machen ihn in den 60er Jahren zum unangefochtenen Sex-Symbol. Während sich Richards Alkohol und Heroin hergibt, dabei ab den 70er Jahren die Konturen eines Zombies annimmt, gelten Jaggers Bemühungen den Frauen. Seine Beziehungen und Affären füllen die Boulevardblätter, angefangen bei (der damals noch wunderschönen) Marianne Faithfull, für die er "Sister Morphine" schreibt. Aus verschiedenen Hochzeiten, zuletzt mit Model Jerry Hall, gehen insgesamt sieben Kinder hervor. Hinzu kommt noch unehelicher Nachwuchs, so wie zuletzt ein mit der Brasilianerin Luciana Morad gezeugter Junge. Seine Solokarriere kommt erst verhältnismäßig spät ins Rollen und kann nicht an den Erfolg der Band anknüpfen. Auf eine Zusammenarbeit mit David Bowie mit der Single "Dancing In The Streets" folgt 1985 das Album "She's The Boss". Das poppige Produkt erntet vernichtende Urteile und bereitet somit den Weg für den Nachfolger "Primitive Cool" (1987) vor. Die dritte Soloproduktion "Wandering Spirit" (1993) gerät etwas funkiger und kann zwar kaum Kritikerlob, dafür aber anständige Verkaufszahlen vorweisen. Seit den 70er Jahren ist Jagger auch im Filmgeschäft tätig. Seinen wichtigsten Auftritt als Schauspieler hat er 1992 als Bösewicht im Science Fiction Krimi "Freejack." Außerdem plant er ambitionierte Projekte mit seiner Produktionsfirma Jagged Productions, heißt es schon seit geraumer Zeit, ohne dass jedoch Konkretes dabei heraus kommt. Im November 2001 erscheint Jaggers vorerst letzte Veröffentlichung mit altem und neuem Material. Die Unterstützung, die ihm viele berühmte Musiker zuteil werden lassen, darunter Pete Townshend, Bono, Lenny Kravitz und Missy Elliot, verhindert aber den Misserfolg nicht, die Scheibe liegt wie Blei in den Regalen. Kleiner Trost: anlässlich der Geburtstagsfeiern von Königin Elizabeth soll Mick Jagger nach britischen Zeitungsberichten nun doch noch zum Ritter geschlagen werden. Diese Ehrung war bisher eher braven Rockern wie Cliff Richard oder Paule McCartney vorbehalten gewesen. Doch wenn nun die berühmteste Zunge des Showbiz zum Sir ernannt wird, sind Sex, Drugs & Rock'n'Roll' wohl endgültig gesellschaftsfähig geworden. 2001 Goddess In The Doorway 1993 Wandering Spirit 1987 Pimitive Cool 1985 She's The Boss

