Ihre Stimme, ihre Liebe zur Musik und ihr unbedingter Wille, etwas zu schaffen, das die Zeit überdauert, haben Luz Casal zu dem gemacht, was sie heute ist: eine der erfolgreichsten und künstlerisch herausragenden Persönlichkeiten der spanischen Musikszene. Die gebürtige Galizierin ist eine Sängerin, die sich nicht auf bestimmte Stile und Genres reduzieren lässt. Ganz gleich, ob sie eigene oder fremde Kompositionen interpretiert, immer verleiht sie den Songs mit ihrer magischen Stimme eine ur...
Ihre Stimme, ihre Liebe zur Musik und ihr unbedingter Wille, etwas zu schaffen, das die Zeit überdauert, haben Luz Casal zu dem gemacht, was sie heute ist: eine der erfolgreichsten und künstlerisch herausragenden Persönlichkeiten der spanischen Musikszene. Die gebürtige Galizierin ist eine Sängerin, die sich nicht auf bestimmte Stile und Genres reduzieren lässt. Ganz gleich, ob sie eigene oder fremde Kompositionen interpretiert, immer verleiht sie den Songs mit ihrer magischen Stimme eine ureigene Note. "Ich betrachte Musik als etwas sehr persönliches, und so behandele ich sie auch", lautet Luz' Credo. Entsprechend sorgfältig geht die iberische Künstlerin an ihre Studioproduktionen heran. Für ihr neues Album "Con Otra Mirada" hat sie sich fast drei Jahre Zeit gelassen. Beim Vorgänger "Un Mar De Confianza", mit dem sie auch hierzulande viele neue Fans gewinnen konnte, waren es sogar fünf Jahre, und für "Como La Flor Prometida" von 1995 brauchte sie vier, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt in Spanien so erfolgreich war, dass man ihr auch schneller produzierte Alben aus den Händen gerissen hätte. Längere Auszeiten bedeuten indes nicht süßes Nichtstun. So gastierte sie zuletzt auf "Umani", dem aktuellen Album der korsischen Gruppe I Muvrini, und komponierte den Soundtrack zum Film "The Animated Forest", was ihr einen Goya-Award bescherte - nicht die erste und bestimmt nicht die letzte Auszeichnung für eine Künstlerin, die von sich behauptet: "Musik ist der wichtigste Teil meines Lebens." Was bei anderen, weniger talentierten Musikern wie eine Floskel klingt, ist für Luz Casal schon seit ihrer Kindheit praktizierte Wirklichkeit. Geboren im nordspanischen La Coruna und aufgewachsen in Asturien stand für Luz schon ganz früh ihr Berufswunsch fest: Sängerin. Sie lernte Klavier, nahm Ballettunterricht und sammelte erste Bühnenerfahrung in einer Coverband. Dann packte sie irgendwann ihre Koffer, schnappte sich ihre Demotapes und zog nach Madrid, wo sie rasch in der lebendigen Musikszene der spanischen Hauptstadt Fuß fasste. Sie nahm Studiojobs als Backgroundsängerin an, studierte am Konservatorium Musik und Schauspiel, erhielt ein Engagement im Musical "Las Divinas" am Madrider Teatro Reina Victoria und bekam dank dieser Auftritte ihren ersten Plattenvertrag - allerdings nur für eine Single ("El Ascensor"). Die jedoch sorgte für beträchtlichen Wirbel, gewann 1980 den Kritikerpreis für die beste Neuentdeckung und bescherte der aufstrebenden Nachwuchskünstlerin den sehnlich erhofften Vertrag für ein komplettes Album. "Luz", aufgenommen in Madrid, Brüssel und Amsterdam, erschien 1982 und ermöglichte seiner Schöpferin eine erfolgreiche Tournee quer durch Spanien als Support für Miguel Rios. Mit jedem weiteren Album - "Los Ojos Del Dato" (1984), Luz III (1985), "Quiéreme Aunque Te Duela" (1987), "Luz V" (1989) - wurde sie populärer. Zunächst jedoch schwärmten in der Hauptsache Kritiker von ihrer Stimme und Ausstrahlung. Der endgültige Durchbruch gelang 1991 mit "A Contraluz". Elf Wochen rangierte das Album in den spanischen Top 10. Aber trotz fünffachem Platinerfolg wurde Luz erst zur beliebtesten spanischen Sängerin durch Pedro Almodóvars Film "Tacones Lejanos" ("High Heels - Die Waffen der Frauen"), in dem sie die Lieder "Piensa En Mi" und "Un Año De Amor" sang. Auch heute noch sind der Bolero des Mexikaners Agustón Lara und die wunderschöne Ballade der italienischen Sängerin Mina fester Bestandteil von Casals Repertoire. Es folgten Tourneen durch Südamerika - wo sie gemeinsam mit Peter Gabriel und Sting auftrat - sowie durch halb Europa von Portugal bis Finnland. Sie gastierte neben den Chieftains und Ry Cooder auf dem Album "A Brotherhood Of Stars" ihres galizischen Landsmanns Carlos Nunez und nahm mit Mark Knopfler den Song "The Water Is Life" auf. Zum Star außerhalb Spaniens avancierte sie Ende der 90er durch ein Best-Of-Album, das sich in Frankreich 250.000 Mal verkaufte. Auch hierzulande bewies sie mit Konzerten in Hamburg und Stuttgart, dass sie, wie es von der spanischen Presse immer wieder betont wurde, eine der größten zeitgenössischen spanischen Gesangskünstlerinnen ist. Tatsächlich transportiert Luz Casal mit ihren Songs, die wie in Töne verwandelte Liebeserklärungen klingen, authentische Emotionen, die über alle Sprachbarrieren hinweg eine unwiderstehliche Wirkung entfalten. Diese Anziehungskraft ist selbst dann noch unverändert stark, wenn Luz Casal nur stoisch die Tonleiter rauf und runter singt. Das macht es ihr leicht, unterschiedlichste musikalische Richtungen auszuprobieren. "Als Sängerin schaffe ich mir selbst immer neue Herausforderungen", erklärt sie ihre Vielseitigkeit. "Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass einige meiner Zuhörer auf die Idee kommen, ich wäre verrückt geworden. Aber ich wage mich nun mal gerne auf ungewohntes Terrain." Mit den zwölf Songs von "Con Otra Mirada" hat sich Luz Casal in dieser Hinsicht selbst übertroffen. Vom sinnlichen Auftakt "Ni Tu Ni Yo", der ätherische Elektronik á la Portishead mit eleganter Barjazz-Atmosphäre verknüpft, bis zum finalen "Me Gustaria Que Comprendieras", einer gelungenen Adaption eines Chansons von Francis Lai, bewegt sie sich mit atemberaubender Leichtigkeit auf dem weiten Feld international hoffähiger Rock- und Popmusik. "Dame Un Beso" schlägt eine Brücke von mexikanischer Folklore über Country&Western bis Rock. "Pueden Ser Tantas Cosas" verbreitet mit melancholischem Akkordeon und vertrackter Rhythmik französisches Flair. "Tu Eres Para Mi" erweist sich als aufregende Mischung aus Flamenco, Blues und Pop. "Perdida" zitiert mit arabisch aromatisierten Streichern andalusische Traditionen. "Mantenerse En Pie" bietet heißblütigen Funk. Und mit "Tu Perdón" sowie "Palabras Guardadas" fehlen auch nicht die klassischen Balladen. Die wohl größte Überraschung liefern jedoch "A Veces Un Cielo" und "El Engaño". Hier offenbart Luz, dass sie auch als Frontfrau einer harten Rockband eine prächtige Figur abgeben würde. "Con Otra Mirada", Luz' neuntes Album, wurde in diversen Madrider Studios eingespielt und von Peter Schwier in Peter Gabriels Real World Studios im englischen Bath abgemischt. Für die Streicherarrangements, die im Air Studio entstanden, das dem legendären Produzenten der Beatles, Sir George Martin, gehört, zeichnet Joan Albert Amargós verantwortlich. Ted Jensen übernahm das Mastering in den Sterling Sound Studios in New York. Die Songs stammen von Manuel Alejandro, Lichis und Pedro Andrea sowie aus Luz' eigener Feder in Kollaboration mit Pablo Guerrero, Carolina Cortès oder Pablo Sycet. Paco Trinidad, Nigel Walker, Tino di Geraldo und der französische Techno-Spezialist Jean Philippe Verdin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Readymade, hinterließen als Produzenten ihre typischen Handschriften. Bei sieben Songs fungierte Luz als Co-Produzentin, auch ein Job für den sie früher kaum Zeit fand. Tatsächlich zeigt "Con Otra Mirada", wie im Albumtitel ("Ein anderer Ausblick") angedeutet, eine neue Luz Casal. Nie zuvor war sie so stark an allen Aspekten eines Albums, von den Kompositionen bis zur Produktion, beteiligt. Und nie zuvor ist sie sich selbst und ihren hochgesteckten künstlerischen Ambitionen nähergekommen. "Wenn ich mich selbst definieren sollte, dann am Besten durch die Lieder, die ich singe. Für mich ist singen mehr als 'nur' eine Kunstform. Es ist etwas, das viel, viel tiefer geht."

