Was braucht die Welt? Die Welt braucht gute Laune. Mehr noch, die Welt braucht Hymnen der guten Laune, nötiger jedenfalls als Säbelrasseln und Grabgesänge. LESS THAN JAKE ziehen die Konsequenz und präsentieren nun ihr Album Anthem, das immerhin ihr neuntes Album ist. Satte 14 Songs schleudern LESS THAN JAKE mit Anthem in die Menge. Kaum einer von ihnen hat mehr als drei Akkorde und zwei Strophen, dafür aber knackige Bläsereinsätze von Saxophon und Posaune. Die Kapelle spielt auf, es darf geta...
Was braucht die Welt? Die Welt braucht gute Laune. Mehr noch, die Welt braucht Hymnen der guten Laune, nötiger jedenfalls als Säbelrasseln und Grabgesänge. LESS THAN JAKE ziehen die Konsequenz und präsentieren nun ihr Album Anthem, das immerhin ihr neuntes Album ist. Satte 14 Songs schleudern LESS THAN JAKE mit Anthem in die Menge. Kaum einer von ihnen hat mehr als drei Akkorde und zwei Strophen, dafür aber knackige Bläsereinsätze von Saxophon und Posaune. Die Kapelle spielt auf, es darf getanzt werden. Wie man es von LESS THAN JAKE gewohnt, geht es auch auf Anthem zügig zur Sache. Tempo ist bei ihnen Trumpf, Tightness ihr größtes Kapital. In der Tat rempeln sie so manche Punk- und Ska-Truppe vom Gehweg. Dabei beschränkt sich die Instrumentierung im Kern auf das minimierte Set: Drums, Gitarre, Bass; mehr braucht's gar nicht als Grundlage für gut gemachten Powerpop mit Punkessenz. Natürlich zuzüglich eines gewissen bissigen Humors, der sich in Songtiteln wie The Science Of Selling Yourself Short, Motown Never Sounded So Good und Best Wishes To Your Black Lung niederschlägt. Alle Qualitäten auf einmal bringen sie auf She's Gonna Break Soon auf den Punkt: Ein unhaltbarer voranpreschender Song mit den punktypischen Gitarrenattacken und aufmüpfigen Bläsern im Refrain. Der Clip zum Song malt den alltäglichen US-High School-Horror in grellen Farben an die Wand, ausgerüstet mit Spaßfaktor 11 auf einer Skala von 10. LESS THAN JAKE gründeten sich 1992 und wurden durch die gemeinsame Liebe zu Pez-Lutschbonbons unzertrennlich. Was Wunder, dass ihr erstes Album 1994 den Titel Pezcore trug, in ironischer Anspielung auf alle möglichen -cores, die seit jeher die Punkgeschichte begleiten (Heardcore, Skatecore, Emocore, Corecore etc). Das Album entstand, nachdem Vinnie und Roger nacheinander nach Gainesville, einem Uni-Nest in Florida, gezogen waren. 1995 entstand Loser's, Kings & Things We Don't Understand, obwohl LESS THAN JAKE immer wieder auf die Suche nach einem Bassmann waren, was in einer Stadt wie Gainsville gar nicht so einfach ist. Erst nachdem man Roger getroffen hatte, war endlich ein Bassmann auf dem Board, "der wenigstens wusste, dass es die Descendants gab", so Vinnie. Ursprünglich als witzige Idee für einen Song gedacht, liebäugelten LESS THAN JAKE bald mit dem Einsatz von Bläsern, und als 1996 ihr erstes Majoralbum Losing Streak (Capitol) entstand, gehörten Saxophon und Posaune schon zum festen Instrumental-Repertoire. Gelichzeitig veröffentlichten LESS THAN JAKE auf dem kleinen Label No Idea weiter, unter anderem Greased, das irrwitzige Remake des Grease-Soundtracks. Sicher gestützt durch eine treue und stetig wachsende Fanbase, die durch einen unablässigen Strom von Single- und Special-Veröffentlichungen gefüttert wurde - heute mehr als 30 an der Zahl und auf insgesamt 13 unterschiedlichen Labels veröffentlicht - wurden LESS THAN JAKE in kurzer Zeit zu Florida-Skate-Anheizern schlechthin, so dass in kurzer Folge (und immer wieder auf verschiedenen Labels, von denen sie Fueled By selbst betrieben) eine ganze Reihe von begehrten Alben erschienen: Hello Rockview (1998), Pesto (1999), Borders And Boundaries (2000), auf dem niemand Geringeres als Lemmy ‚Motörhead' Kilminster eine Gesangseinlage gab, und Goodbye Blue And White (2002). Hinzu kommen noch Live-Mitschnitte und Compilations, wie Live From Uranus (1999) und Pez Collection, (1999) und einige EPs mit denkwürdigen Titeln, wie Muppets (1997) und All My Best Friends Are Metalheads (2000). Anthem wurde von Rob Cavallo produziert, Punk- und Starproducer für alles was nach vorn geht und sechs Saiten zum Mittelpunkt hat. Unter seinen Händen wurden beispielsweise Green Day zu weltweiten Helden des Neopunk. Als Mixer fungierte der nicht weniger umtriebige Lord Tom Alge, der so ziemlich alles in den Fingern hatte, was Töne hat: von Phil Collins und Tom Petty bis zu den GooGoo Dolls. In der nächsten Zeit werden LESS THAN JAKE ziemlich viel unterwegs sein. Ein paar Abstechern nach Europa im Mai folgt eine großangelegte US-Tournee, die die Jungs bis Ende August auf den Beinen halten wird. Im Juni werden LESS THAN JAKE an zwei Daten in Deutschland live zu sehen sein. Eine große Gelegenheit, zumal LESS THAN JAKE schon mehr als einmal in irrwitzigen Masken und mit einer umwerfenden Bühnenshow zu überzeugen wussten.

