Es würde viel zu lange dauern, die Stunden zu addieren, um auf 25 Jahre zu kommen. Und die Zahl stünde schließlich in keinem Verhältnis zu dem musikalischen Bekenntnis “Ich liebe jede Stunde”. Karat, vormals eine der erfolgreichsten DDR-Rockbands und von einer großen Fangemeinde auch jenseits des Eisernen Vorhangs bewundert, steht seit einem viertel Jahrhundert auf der Bühne und feiert mit dem aktuellen Album “Ich liebe jede Stunde” sein silbernes Jubiläum.Karat – der Name ist Programm und di...
Es würde viel zu lange dauern, die Stunden zu addieren, um auf 25 Jahre zu kommen. Und die Zahl stünde schließlich in keinem Verhältnis zu dem musikalischen Bekenntnis “Ich liebe jede Stunde”. Karat, vormals eine der erfolgreichsten DDR-Rockbands und von einer großen Fangemeinde auch jenseits des Eisernen Vorhangs bewundert, steht seit einem viertel Jahrhundert auf der Bühne und feiert mit dem aktuellen Album “Ich liebe jede Stunde” sein silbernes Jubiläum.Karat – der Name ist Programm und die Band längst eine Legende. Seit 1978 stand Karat mit seiner Musik an vorderster Stelle in den Hitlisten in beiden Teilen Deutschlands. Die harmonischen, eingängigen Kompositionen von Ed Swillms und die tiefgründigen bis romantischen Texte, mit der markanten Stimme von Herbert Dreilich poetisch interpretiert, wurden zum Markenzeichen der Band. Geradezu meisterhaft entwickelte Karat in 25 Jahren diesen charakteristischen Stil.Die Jahre sind an den fünf Karat-Musikern Herbert Dreilich, Michael Schwandt, Bernd Römer, Christian Liebig und Martin Becker nicht spurlos vorbeigegangen. Aber die Songs haben nichts von ihrer Kraft und Schönheit eingebüßt. “Ich liebe jede Stunde” ist ein Album mit deutschen Rockballaden erster Klasse. Die tiefgründigen Titel werden alte Karat-Fans begeistern. Aber auch beim jüngeren Publikum, das sich an “Über sieben Brücken” oder “Der blaue Planet” als deutsche Pop-Geschichte erinnert, hinterlässt das Album “Ich liebe jede Stunde” nachhaltigen Eindruck.“Wir wollen einen Mittelweg finden zwischen Rock und romantischem Pep”, beschrieb Herbert Dreilich 1975 das musikalische Ziel von Karat. Das Programm ging auf. Bei seinen Konzerten, auf denen Karat anfangs noch viele gängige internationale Hits nachspielte, gestaltete die Gruppe immer öfter einen Block von eigenen Kompositionen und testete die Resonanz beim Publikum. Noch vor seinem ersten öffentlichen Auftritt produzierte Karat vier Lieder für den Rundfunk. Ende des Gründungsjahres 1975 existierten bereits 13 Karat-Rundfunk-Titel, die die Gruppe schnell populär machten.Nach der Goldmedaille bei der Leistungsschau der Unterhaltungskunst Anfang 1977 und dem Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden 1978 schaffte Karat auch international den Durchbruch. Die Band etablierte sich zum Aushängeschild der ostdeutschen Musikszene, ihre Schallplatten wurden zum Verkaufsrenner. Gastauftritte führten Karat in zahlreiche Länder der Welt. Mit Engagements im Fernsehen der Bundesrepublik und Live-Tourneen in den meisten bundesdeutschen Großstädten verschaffte sich Karat auch links der Elbe Anerkennung: Zwei Goldene Schallplatten auf dem westdeutschen Musikmarkt, sogar ein Auftritt bei “Wetten, dass ...?” und letztendlich die Auszeichnung mit der Goldenen Europa, davon konnten andere DDR-Bands nur träumen.Mit der Wende kam nicht zuletzt für Karat eine Phase des Umbruchs. Noch zur Wiedervereinigung im historischen Herbst 1990 wurde der Hit “Über sieben Brücken” zur Hymne des Jahres, aber dann wurde es plötzlich leiser um Karat. Es schien als würde die Geschichte der Band -im übrigen erging es allen Rockgruppen der ehemaligen DDR so- zu Ende gehen. Aber Karat findet die Kraft, die Durststrecke zu meistern. Knapp zwei Jahre später ist die Band wieder live präsent und setzt mit den Longplayern “Die geschenkte Stunde” und “Balance” die gewohnte musikalische Qualität fort. 1975-2000: nach 25 Jahren blickt Karat wie kaum eine andere Musikband auf eine einmalige musikalische Kontinuität zurück. Das Auf und Ab prägte die Persönlichkeiten der Band-Mitglieder und den Stil von Karat. “Ich liebe jede Stunde” steht für die künstlerische Reife und für den weiteren Weg, den Karat selbstbewusst beschreiten wird.

