Die gebürtige Engländerin Jane Birkin wird bereits seit Ende der Sechziger in ihrer Wahlheimat Frankreich mit einer Hingabe verehrt, wie dies nur wenigen französischen Künstlern vergönnt ist. Dabei war ihre Schauspiel- und Gesangskarriere seit jeher geprägt von ganz besonderen Begegnungen. Von ihrer ersten Filmrolle in Michelangelo Antonionis Kultstreifen "Blow-Up" über ihre jahrelange private und künstlerische Liaison mit Frankreichs Popidol Serge Gainsbourg, dessen musikalisches Erbe sie n...
Die gebürtige Engländerin Jane Birkin wird bereits seit Ende der Sechziger in ihrer Wahlheimat Frankreich mit einer Hingabe verehrt, wie dies nur wenigen französischen Künstlern vergönnt ist. Dabei war ihre Schauspiel- und Gesangskarriere seit jeher geprägt von ganz besonderen Begegnungen. Von ihrer ersten Filmrolle in Michelangelo Antonionis Kultstreifen "Blow-Up" über ihre jahrelange private und künstlerische Liaison mit Frankreichs Popidol Serge Gainsbourg, dessen musikalisches Erbe sie nach seinem Tod mit ihren Interpretationen lebendig gehalten hat, bis zu ihrer Zusammenarbeit mit dem algerischen Musiker Djamel Benyelles, aus der ihr gefeiertes und in Frankreich mit Gold ausgezeichnetes letztes Album "Arabesque" hervorging, für Jane B. waren stets die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das gilt vielleicht ganz besonders für "Rendez-vous", ein Duettalbum, von dem ein ganz besonderer Zauber ausgeht. Allein die Liste der Duettpartner(innen) spricht Bände. Neben Frankreichs Pop-Elite (Manu Chao, Mickey (3D), Etienne Daho) und gestandenen Chansonniers (Françoise Hardy, Alain Chamfort, Alain Souchon) haben sich auch der brasilianische Superstar Caetano Veloso, der italienische Barde Paolo Conte, die japanische Poplegende Yosui Inoue, sowie Bryan Ferry und Brian Molko, Beth Gibbons (Portishead), Feist (Sängerin aus Gonzales' Umfeld) und der bretonische Rockprovokateur Miossec an der Seite von Jane Birkin eingefunden und eines der stimmigsten Duettalben aller Zeiten aufgenommen. Unter der Ägide des Produzenten Renaud Letang, der die beiden Studioalben von Manu Chao produzierte, und des in Berlin ansässigen Kanadiers Gonzales, ein schillernder Paradiesvogel des Underground (MC, Sänger, Multiinstrumentalist und Produzent zugleich) sind die Originalsongs und diversen Coverversionen mit einer berührenden Patina ausgestattet. "Je m'appelle Jane", der Opener des Albums, wurde von Mickey (3D), einer angesagten Band aus St. Etienne, die gerade mit einem Victoires de la Musique ausgezeichnet wurde, als kokettes Frage- und Antwortspiel inszeniert. Ein hervorragendes Entree, das an die lebhafteren Stücke aus den besten Tagen von Birkin und Gainsbourg erinnert, und sich als erste Single geradezu aufdrängte. Zumal die Atmosphäre der meisten anderen Stücke, die teils sehr spartanisch, teils mit filigraner Orchesterbegleitung aufgenommen wurden, zwar nicht minder sinnlich ist, aber häufig doch höchst sinister. Das gilt besonders für das düstere "In Every Dream Home A Heartache", einem Klassiker von Roxy Music aus dem Jahr 1973, sowie für die zwielichte Adaption des 71er Popklassikers "Pour un flirt avec toi" mit Miossec, der sich mit seinen aufreizenden Alben als Gesangspartner empfohlen hatte. Das Duett mit Alain Chamfort, einem Chansonnier, der das Spätwerk von Serge Gainsbourg mitgeprägt hat, schafft mit "T'as pas le droit d'avoir moins mal que moi" jene intime Atmosphäre, die Jane Birkin zu Gainsbourgs Muse machte. Einen Hauch galanter ist das Duo mit Alain Souchon, der als Schauspieler und romantischer Chansonnier in Frankreich bekannt ist und hier mit "Palais Royal" auf einen Klassiker von Chamfort aus dem Jahr 1979 zurückgegriffen hat. Von nostalgischer Sinnlichkeit ist auch das Duo mit Etienne Daho, der in Frankreich wegen seiner Experimentierfreudigkeit als Nachfolger von Gainsbourg gehandelt wird. "La grippe" ist eine Adaption von Brigitte Fontaines bereits 1965 erschienenem Chanson. Doch geht das luftig produzierte Album weit über den typischen Charakter eines Chansonalbums hinaus. Die geisterhafte Stimmung, die Beth Gibbons von Portishead mit "Strange Melody" evoziert, wo sie auch für den unnachahmlichen Chorgesang verantwortlich ist, personifiziert Birkin ebenso perfekt wie die erhabene Leichtigkeit des sanften, portugiesisch gesungenen Bossa Novas "O leazinho", den sie mit Caetano Veloso anstimmt (das Original stammt aus dem Jahr 1977), und das italienische Duett "Chiamami adesso" mit Paolo Conte, eine Jazzphantasie von unglaublicher Spannung. Ein besonders exotisch anmutender Beitrag ist das Duett "Canary Canary" mit Yosui Inoue, der seine Karriere ebenfalls Ende der 60er begann und als "Bob Dylan Japans" (allmusicguide) gilt. Die Schlichtheit von "The Simple Story" gemeinsam mit der Kanadierin Feist aus dem Umfeld von Gonzales, die Eindringlichkeit von "Smile" gemeinsam mit Brian Molko von Placebo, die Verspieltheit von "Surannée" (aus der Feder von Frankreichs neuem Wunderkind Benjamin Biolay) gemeinsam mit der anderen Grande Dame des französischen Chansons, Françoise Hardy, sowie die Weltläufigkeit von Manu Chaos "Te souviens-tu?", all diese Songs demonstrieren auch die beeindruckende Wandlungsfähigkeit der schauspielernden Sängerin respektive singenden Schauspielerin Jane Birkin. Die 57-jährige Diva ist noch immer umgeben von einer Aura der Jugendlichkeit. Ihre androgyne erotische Ausstrahlung ist auch heute noch ein ebenso kleines Wunder wie ihr strahlend kindliches Lächeln, mit dem sie jedes Publikum immer wieder verzaubern kann. Das zeigten auch ihre ersten Auftritte in deutschen Konzerthallen im letzten Jahr. Mit "Rendez-vous" hat sich Jane Birkin als Sängerin so weit von Serge Gainsbourg fortbewegt wie noch mit keinem anderen musikalischen Projekt in ihrer schillernden Karriere. "Rendez-vous" ist auch der klingende Beweis, dass sie weit über die Grenzen Frankreichs hinaus von Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Generationen verehrt wird. Dieses Duettalbum kommt der Krönung einer Sängerin gleich, die sich wie eine elfenhafte Lichtgestalt das Mädchenhafte bis heute bewahrt hat. Große Kunst einer einzigartigen Künstlerin.

