Es gibt diese Momente, in denen man spürt: etwas wird sich verändern. Gwen Stefani hatte genau dieses Gefühl am Ende ihrer High School Zeit in Orange County. „Ich war ein 17jähriges Mädchen, vollkommen verliebt und hatte eine genaue Idee, wie meine Zukunft aussehen würde: der Typ würde mein Ehemann, wir hätten Kinder – das war meine Passion. Dann merkte ich, dass ich Songs schreiben konnte und mein Leben änderte sich. Aus dem schüchternen Mädchen wurde ich zur Songschreiberin – und ich fühlt...
Es gibt diese Momente, in denen man spürt: etwas wird sich verändern. Gwen Stefani hatte genau dieses Gefühl am Ende ihrer High School Zeit in Orange County. „Ich war ein 17jähriges Mädchen, vollkommen verliebt und hatte eine genaue Idee, wie meine Zukunft aussehen würde: der Typ würde mein Ehemann, wir hätten Kinder – das war meine Passion. Dann merkte ich, dass ich Songs schreiben konnte und mein Leben änderte sich. Aus dem schüchternen Mädchen wurde ich zur Songschreiberin – und ich fühlte mich so voller Kraft, wenn ich Worte niederschrieb. Für mich war es ein Wendepunkt festzustellen, dass ich etwas kreieren konnte, irgendwie...“ Mission erfüllt. Die Entwicklung von der Sängerin und Songschreiberin bei No Doubt, über Grammy Awards und vier Platin-Alben zu der Person, die sie heute ist: eine der herausragendsten Frontfrauen des Rock und eine Ikone. Der Titel von Gwen Stefanis lang erwartetem Solo-Projekt ist Love Angel Music Baby und es ist Gwen pur. Es groovt rockt, ist rebellisch, funky, leidenschaftlich – und ist einfach cool. Gwen hat ein Album geschaffen, das aus den Vollen schöpft – nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Musikern und Produzenten, die eine musikalische Bandbreite von Wave bis HipHop repräsentieren. „Ich wollte eine Platte machen, die unter die Haut geht“, erzählt Gwen. „Es sollte ein Album mit guter Laune und Dance-Musik im Stil der Klassiker sein – ein Album, das einfach Spass macht.“ Unterstützung bekam Gwen von Künstlern wie Dr. Dre, The Neptunes, Andre 3000 (OutKast), Linda Perry, New Order, Nellee Hooper, Wendy & Lisa und Jimmy Jam & Terry Lewis (SOS Band, Janet Jackson). Wie kaum anders zu erwarten entstand aus der Vielzahl von Personen und Ideen ein abenteuerliches Album. „Diese Platte ist das Zusammenspiel von vielen unglaublichen Talenten, die gemeinsam etwas einzigartiges schaffen wollen. Etwas, das Du immer und immer wieder hören möchtest“, erklärt Gwen. Nach über 15 Jahren als Bandmitglied war das Solo-Album auch für Gwen eine völlig neue Erfahrung: „Über all die Jahre, wurde ich immer nach Solo-Aktivitäten gefragt – dabei wäre es mir nie in den Sinn gekommen, etwas alleine machen zu wollen. Der große Unterschied zu No Doubt ist: wir waren immer ein Team, jeder hatte seine Stimme und seine Talente – wir waren eine echte Band, nichts konnte uns trennen. Auf einmal mit ganz neuen Leuten zu arbeiten, die aus ganz anderen Richtungen kamen, war sehr schwer für mich. Mein Plan war, mein Ego zurückzustellen, einfach abzuwarten, was mit den verschiedensten Leuten passieren würde. So gesehen ist das gar kein Solo-Album im klassischen Sinne. Es ist ein Kunstprojekt, das bin ich in Kollaboration mit unterschiedlichen Menschen und der Wunsch, gemeinsam etwas magisches zu schaffen.“ Aber auch, wenn erst durch die Unwägbarkeiten jeder Kooperation das Projekt sehr offen angelegt war, Gwen war letztlich immer diejenige, die ihre Vision verfolgte. Obwohl sie schon sehr früh ein Ska-Fan war, hatte Gwen als High School-Kid natürlich auch die Musik um sich herum verfolgt – beim Tanzen mit Freundinnen oder einfach beim Radio hören. Depeche Mode, Club Nouveau, die frühe Madonna, Prince, The Time oder The Cure – all das waren Bands, die aus dieser Zeit noch präsent waren. Es war am Ende der „Rock Steady“-Tour als No Doubt-Bassist Tony Kanal vorschlug: „Lass uns doch mal eine Club Nouveau-Platte machen – nur so zum Spaß nebenbei. Wir haben ohnehin ein Jahr Pause – wir könnten Songs im Stil von damals schreiben und auch produzieren.“ – So hatte das Projekt angefangen – der Rest kam von alleine. „Ich dachte, das wäre ein einfaches, schnelles Ding – nur mit ein paar Leuten arbeiten, vielleicht ein paar Cover-Versionen. Nach so vielen Jahren als Band kann man auch mal etwas anderes ausprobieren.“ Es wurde weder leicht noch schnell. Gwen wollte es langsam angehen, wurde immer wieder abgelenkt, gerade frisch verheiratet – und war erschöpft. „Ich hörte das Ticken in meinem Kopf – und wusste, wenn ich das jetzt nicht schaffe, werde ich nie zur nächsten No Doubt-Platte kommen oder einen Film drehen oder ein Kind haben.“ Es war wohl Schicksal als ein Anruf von Linda Perry kam. Die beiden kannten sich schon eine ganze Weile und Linda wollte unbedingt mit Gwen zusammen arbeiten. Gwen war sich aber nicht sicher, was Linda zu einer Dance-Platte beitragen könnte. Man wollte sich trotzdem treffen – es klickte und sofort machten sie sich an die Arbeit. Herausgekommen ist unter anderem die erste Single „What you waiting for?“ – musikalisch eine originelle Mixtur aus Wave- und Dance-Track, textlich genau die Geschichte von der Entstehung der Platte: die Selbstzweifel und das Zögern zu Beginn des Albums. „Als Linda sagte ‚What are you waiting for“ dachte ich ‚oh nein, das hast Du jetzt nicht gesagt’. Kurz darauf hatte ich meine erste Single geschrieben. Und das war erst der Anfang – meine Inspiration kam auch zurück.“ So zurückhaltend Gwen anfangs ob der Zusammenarbeit mit Linda Perry war, so unbedingt wollte sie mit Andre 3000 arbeiten, den sie bereits bei der Arbeit zum OutKast-Remix von „Hey Baby“ kennen gelernt hatte. „Wäre ich ein Junge, ich wollte so sein wie Andre. Er ist so unglaublich talentiert und mein Traum war es, mit ihm zu schreiben – und er sagte ‚ja’“. Andre kam ins Studio und hatte bereits einen fast fertigen Song („Long way to go“) in der Tasche, der ursprünglich mal für das OutKast-Album „Speakerboxx/The Love Below“ vorgesehen war. Gemeinsam arbeiteten sie dem Song, wobei Andre sich vornehmlich auf die Produktion beschränkte. „Es ist verdammt schwierig mit anderen Künstlern zu arbeiten, weil bei mir immer dieses Fan-sein dazu kommt. Andre ist so ruhig und ich war so schüchtern, aber er hat alles gemacht, damit ich mich wohlfühle und als wir schließlich an „Bubble Pop Electric“ gearbeitet haben, fühlte es sich wie eine echte Zusammenarbeit an.“ Dieser Song klingt wie „Grease“ auf Acid, ein Duett aus dem Hyperspace, in dem John Travolta und Olivia Newton-John durch Andre und Gwen ersetzt wurden. Eine weiterer, außergewöhnlicher Track ist der entspannte Lovesong „Cool“, produziert von Dallas Austin (Madonna). „Cool“ beschreibt das Geben und Nehmen einer Liebe, die längst vergangen ist, der Sound ist im Stil der 80er Jahre Powerballaden. Neben ihrem No Doubt-Mitstreiter Tony Kanal gibt es auf der Platte auch ein Wiederhören mit Dr. Dre, mit dem Gwen bereits für das Duett „Let me blow your mind“ zusammen mit Eve gearbeitet hat. Aus seiner Feder ist „Rich Girl“, eine funkige Nummer mit Anleihen aus dem Musical „Fiddler on the roof“ („If I was a rich man“). Bei „Rich Girl“ ging es darum, sich in eine andere Person zu versetzten – als Songwriterin eine neue Erfahrung für Gwen. „Dre hat mich wirklich herausgefordert, in neue Richtungen zu denken und zu schreiben. Er ist so ein großartiger Produzent, weil er einfach weiß, was das Beste für Dich ist und er schafft es, dass Du gut dabei fühlst. ‚Rich Girl’ klingt so frisch – Dre hat sich selbst übertroffen“ Eine weitere Kollaboration gab es mit den Neptunes. Gwen wusste, dass dieses innovative Produzenten-Team wie geschaffen für einen ultimativen Dance-Track wäre – heraus gekommen ist der Club-Kracher „Holla Back Girl“. Zusammen mit der Vielzahl von Künstlern hat Gwen nicht nur ihr eigenes Ding gemacht, sondern im Zusammenspiel ganz neue Seiten entdeckt. „Ich kann es gar nicht glauben, wie gut das Album geworden ist. Natürlich macht es Spaß mit neuen Leuten zu arbeiten, aber das letztendliche Ergebnis ist doch mehr als die Summe der einzelnen Teile. Zu beginn hatte ich Angst, andere Menschen in mein kleines kreatives Universum zu lassen. Aber genau dieses Zusammenspiel hat mich soviel weiter gebracht als ich es je erträumt hätte“.

