Diese Frau ist ein Vulkan! Wahr und aufrichtig und ohne falsche Scham. Man muss ihn einfach lieben, diesen Vulkan - alleine schon wegen der Töne, die er von sich gibt, wegen seiner Aura und wegen seines Charmes. Man muss zur selben Zeit sein Aussehen, sein Charisma und seine Erotik lieben. Und das, obwohl dieser Vulkan lediglich geschätzte 160 Zentimeter misst. Aber es steckt soviel Energie und Leidenschaft in ihm wie im Vesuv - der bekanntlich Pompeji total zerstörte. Ach ja, nur am Rande e...
Diese Frau ist ein Vulkan! Wahr und aufrichtig und ohne falsche Scham. Man muss ihn einfach lieben, diesen Vulkan - alleine schon wegen der Töne, die er von sich gibt, wegen seiner Aura und wegen seines Charmes. Man muss zur selben Zeit sein Aussehen, sein Charisma und seine Erotik lieben. Und das, obwohl dieser Vulkan lediglich geschätzte 160 Zentimeter misst. Aber es steckt soviel Energie und Leidenschaft in ihm wie im Vesuv - der bekanntlich Pompeji total zerstörte. Ach ja, nur am Rande erwähnt: Giorgia nennt sich dieser brodelnde Vulkan in Menschengestalt. Giorgias ganzes Leben war und ist geprägt von Auflehnung, Überraschung und Provokation. Klar, dass Giorgia tief im Herzen Rock & Roll spielt - der von der besten Sorte hat immer genau damit zu tun. Und wenn Giorgia als einen der ersten Sätze im Interview behauptet, sie habe sich entschlossen, "sehr total und sehr konsequent zu leben" - dann ist das eine schlichte Feststellung, kein Wunschtraum. In ihrer Heimat Italien ist die 32-jährige Römerin längst ein Superstar, der es vom Prestige wie von den Verkaufszahlen her mit Gianna Nannini oder Zucchero aufnehmen kann. Zurecht, denn ebenso handelt es sich bei diesem zierlichen Persönchen mit der ausdrucksstarken und unverkennbaren Stimme um eine Persönlichkeit mit Kanten und Ecken. Um einen Star also, der kein Star sein will, sondern einfach nur sie selbst. Giorgia begann 1987 eine Gesangsausbildung beim berühmten Tenor Luigi Rumbo. "Der Kerl war verdammt streng, er hat meine Stimme an die äußersten Grenzen getrieben", erinnert sich das Teufelsweib mit einem versonnenen Lächeln an ihre ersten Schritte zur Sängerin. "Doch genau das war es, was ich als Teenager brauchte: Druck und Disziplin. Die hat mir Luigi unter allen Umständen mitzugeben versucht." Sieben Jahre später - Giorgia zählte gerade 23 Lenze - wurde es ernst für die dunkelhaarige Schönheit mit ihrer Karriere, die Ereignisse überschlugen sich. Im renommierten "Teatro Ariston" ihrer Heimatstadt präsentierte sie die markerschütternde Ballade "E Poi", kurz darauf legte sie ihr erstes Album "Giorgia" vor, das immerhin mehr als 150.000 Kopien bis heute alleine in Italien verkauft hat. Gleich danach lud der unsterbliche Tenor Luciano Pavarotti sie ein, mit ihr im Rahmen von "Pavarotti & Friends" ein Ständchen zu trällern. Und - immer noch im selben Jahr - durfte sie gar mit Andrea Bocelli vor seiner Heiligkeit, dem Papst, ein Weihnachtslied anstimmen. "Plötzlich", grinst Giorgia, "war ich eine Person der Öffentlichkeit. Richtig glücklich war ich darüber allerdings nicht, ich betrachtete diese Angelegenheit eher mit Staunen." Weiter ging es, trotz Ungläubigkeit der Protagonistin, in der steilen Karriere von Giorgia: 1995 gewann sie den ersten Preis beim Kult-Festival der italienischen Liedermacher von San Remo mit der herzzerreißenden Ballade "Come Saprei", das zweite Album "Come Thelma & Louise" ging dann schon über 300.000 Mal über die Ladentische der Republik jenseits der Alpen. Auch die nachfolgenden Langrillen pendelten sich bei diesen Schwindel erregenden Verkaufszahlen ein, ohne dass Giorgias Lieder nur einen Deut an Qualität verloren hätten. Im Gegenteil, sie erweiterte ihren künstlerischen Horizont, was auch an Kooperationen mit Weltklasse-Künstlern wie Diane Warren, Pino Daniele, Herbie Hancock, Des’ree oder Michael McDonald zu sehen und hören ist. 2002 erteilte Giorgia ihrer mittlerweile überdimensionierten Karriere (wie sie jene im Rückblick selbst analysiert) einen Break, indem sie diese Revue passieren ließ auf der Compilation "Giorgia’s Greatest Hits", passend mit dem Zusatz "Le Cose Non Vanno Mai Come Credi" betitelt - auf Deutsch: "Die Dinge passieren niemals so, wie du dir sie vorgestellt hast". Aller Ironie zum Trotz wurde der Hit-Sampler aus acht Jahren Rückschau, auf dem auch drei bis dato unveröffentlichte Songs zu hören sind, zum ultimativen Verkaufserfolg von Giorgia, weit über Italiens Grenzen hinaus - mehr als eine halbe Million Mal verkaufte sich der Sampler bis heute weltweit. Kein Grund freilich für die quirlige Italienerin, in Ehrfurcht vor der eigenen Größe zu erstarren und nur noch nostalgisch auf ihren bisherigen Erfolg zurückzuschauen. "Tatsächlich", lacht sie ihr berühmt-berüchtigtes kehliges Lachen, "war dieser Erfolg Ansporn genug, unbeirrt nach vorne zu blicken und jetzt eine Art neue Karriere in Angriff zu nehmen. Eine Karriere, in der ich noch mehr singen, tun und musizieren kann, wie ich es will. Bei mir werden keine Gefangenen mehr gemacht in der Zukunft, ich schreite unbeirrt voran." Herausgekommen ist bei diesem Generalrundumschlag das Album "Ladra Di Vento". Es ist das bislang engagierteste, leidenschaftlichste Werk der Ausnahmekünstlerin geworden - vermutlich auch deshalb, weil sie die meisten der 14 Songs darauf selbst komponiert hat. "Wer sich die Texte auf `Ladra Di Vento´ genau anhört", schmunzelt Giorgia, "wird so ziemlich alles über mich und mein Leben in den letzten beiden Jahren erfahren. Der Hörer wird auch erfahren, wie ich mich selbst sehe, wer ich wirklich bin: Eine Frau der Emotion, der Poesie, der Unberechenbarkeit, der Erotik, gelegentlich auch des Irrsinns. Eine Frau mit so vielen Gesichtern, die manchmal selbst nicht recht weiß, wer sie ist." Nun ja, ein lebender, brodelnder Vulkan eben. Und jetzt rein in den CD-Player mit "Ladra Di Vento", der "Winddiebin". Es gilt, eine neue Dimension von Leidenschaft zu entdecken.

