Dr. John ist neben Louis Armstrong und Fats Domino der bekannteste musikalische Botschafter von New Orleans. Zugleich ist er einen Gutteil aufregender und magischer als die anderen beiden: Sein trockener Gesang und seine geheimnisvoll groovenden Voodoo-Rhythmen werden in der Jazz- und in der Popwelt gleichermaßen bewundert; seine nahrhafte musikalische Kost speist sich aus afrikanischen, karibischen und kreolischen Zutaten. Apropos kreolisch - "Creole Moon" ist der Titel seines dritten Album...
Dr. John ist neben Louis Armstrong und Fats Domino der bekannteste musikalische Botschafter von New Orleans. Zugleich ist er einen Gutteil aufregender und magischer als die anderen beiden: Sein trockener Gesang und seine geheimnisvoll groovenden Voodoo-Rhythmen werden in der Jazz- und in der Popwelt gleichermaßen bewundert; seine nahrhafte musikalische Kost speist sich aus afrikanischen, karibischen und kreolischen Zutaten. Apropos kreolisch - "Creole Moon" ist der Titel seines dritten Albums für das EMI-Traditionslabel Parlophone. Und wie schon das Vorgängeralbum "Duke Elegant", das dem großen Duke Ellington gewidmet war, steht "Creole Moon" im Zeichen einer echten Legende: Doc Pomus, die eine Hälfte des in die Annalen der Musikgeschichte eingegangenen Songwriting-Teams Pomus & Shuman. Dr. John, er nennt sich im Nebennamen mitunter auch The Nighttripper, wurde am 20. November 1941 als Malcolm "Mac" Rebennack in New Orleans geboren. Von Kindheit an war er mit der Vorstellungswelt des Voodoo-Kults vertraut. Seine Großmutter, so hat er einmal gesagt, konnte mit Gedanken Tische rücken und Gegenstände schweben lassen, und sein Vater habe ihm nichts als vier Folianten über Mystizismus hinterlassen. Hervorragende Voraussetzungen also für eine Karriere als größter schwarzer Magier des Rock'n'Roll - und der ist er ja dann, selbst Kirmesattrakionen wie Marilyn Manson vermögen davon nicht abzulenken, bis heute geblieben. Auf Platten wie "The Sun, Moon And Herbs" (1971) waren ihm selbst Stars wie Eric Clapton und Mick Jagger zu Diensten. Und als John Carr den Klang von Mac Rebennacks Stimme im New Musical Express einst als "riesigen Ochsenfrosch mit Mandelentzündung" beschrieb, war das selbstverständlich als allerhöchstes Lob gemeint. Bis in die zweite Hälfte der sechziger Jahre verdingte sich Mac Rebennack vor allem als Sessionmusiker. Dass er sich dann auch als Solokünstler profilieren konnte, verdankt er nicht zuletzt der Generosität von Sonny & Cher. Das "I Got You Babe"-Duo schenkte Mac Rebennack nämlich am Ende einer eigenen Session die verbliebene Studiozeit - und die nutzte er, um das Material einzuspielen, das das Grundgerüst für das später von der Kritik hochgelobte 1968er Album "Gris Gris" bildete. Zugleich ermutigte ihn Harold Battiste, musikalischer Direktor für Sonny & Cher und zugleich Mac Rebennack-Freund seit dessen Jugendtagen, sich systematisch mit dem Dr. John-Image zu bekleiden. Basis dafür bildete ein gewisser Dr. John Montaine, der im 19. Jahrhundert in New Orleans lebte und als König eines afrikanischen Stammes galt. Montaine profilierte sich weithin als Meister okkulter Voodoo-Praktiken und lieferte damit die Blaupause für eines der schillerndsten Images der Musikwelt überhaupt ab. In den Siebzigern galt Dr. John als Geheimtip, jeder von Bob Dylan über Van Morrison bis hin zu Art Blakey wollte ihn als Gastmusiker auf seinen Alben haben. In den späten Achtzigern folgte dann die Anerkennung durch das Establishment des Showbusiness: 1989 erhielt er seinen ersten Grammy (für das Duett "Makin' Whoopee" mit Rickie Lee Jones), 1992 seinen zweiten (für das Album "Goin' Back To New Orleans"). 1997 unterschrieb er bei Parlophone, und nach "Anutha Zone" und "Duke Elegant" hat er hier jetzt sein drittes Meisterstück abgeliefert. Allein fünf der vierzehn Songs hat er mit dem vor wenigen Jahren verstorbenen Doc Pomus geschrieben, dem das Album ja auch gewidmet ist. Der Opener "You Swore" zählt dazu und auch "In The Name Of You", das dem legendären Hardbop-Schlagzeuger Art Blakey gewidmet ist. Auf "Food For Thot" gastiert mit dem ehemaligen James Brown-Posaunisten Fred Wesley eine weitere echte Legende, während er auf "Bruha Bembe", "Imitation Of Love", "Now That You've Got Me" oder dem Titelsong schlicht die Magie von New Orleans in höchster Dichte abliefert. Kurzum, Dr. Johns "Creole Moon" ist ein Album, von dem man sich hemmungs- und vorbehaltlos hypnotisieren lassen sollte - zumindest, bis der Doktor kommt.

