Wahrlich nicht wenige junge Bands dieser Tage beziehen sich auf die Achtziger: von The Ark über Interpol und The Rapture bis Zoot Woman - eine nahezu beliebig erweiterbare Liste. Umso schöner, wenn dann auch mal wieder eine Band auftaucht, die tatsächlich in den achtziger Jahren ihre Wurzeln hat, gar zu den Pionieren dieser wohl artifiziellsten Dekade der Rockgeschichte zählt. Delerium sind wieder da und - nomen est omen - versetzen alte und neue Fans in tranceartige Zustände. Mit ihrem neue...
Wahrlich nicht wenige junge Bands dieser Tage beziehen sich auf die Achtziger: von The Ark über Interpol und The Rapture bis Zoot Woman - eine nahezu beliebig erweiterbare Liste. Umso schöner, wenn dann auch mal wieder eine Band auftaucht, die tatsächlich in den achtziger Jahren ihre Wurzeln hat, gar zu den Pionieren dieser wohl artifiziellsten Dekade der Rockgeschichte zählt. Delerium sind wieder da und - nomen est omen - versetzen alte und neue Fans in tranceartige Zustände. Mit ihrem neuen Album "Chimera" und der Single "After All" sorgen sie seit geraumer Zeit für mächtig viel Wirbel in den britischen und amerikanischen Dance-Charts. Jetzt ist die Zeit auch wieder reif für Delerium in Deutschland. 1986 gründete der aus Österreich stammende Bill Leeb, nachdem er die Industrial-Pioniere Skinny Puppy verlassen hatte, im kanadischen Vancouver das Duo Front Line Assembly. Gemeinsam mit seinem Kreativpartner Rhys Fulber machte der Komponist und Sampling-Spezialist die Elektro-Industrial-Formation in den Neunzigern zu einer der innovativsten Vertreter ihres Genres. Doch mit nur einer Band gaben sich die beiden Workaholics nicht zufrieden. Für ihre mannigfaltigen musikalischen Visionen entwickelten sie eine Vielzahl von Projekten, von denen sich Delerium als das spannendste und beständigste erwies. Dominierten auf den ersten Veröffentlichungen noch düstere Instrumentalstücke mit Science-Fiction-tauglichen Sphärensounds, präsentierten Delerium 1994 auf ihrem dritten Album "Semantic Spaces" erstmals Songs im edlen Klangdesign, intoniert von Kristy Thirsk von den Rose Chronicles. Auf dem 1997 erschienenen Album "Karma" arbeiteten Delerium dann mit verschiedenen Sängerinnen. Neben Thirsk wirkten die Grammy-Preisträgerin Sarah McLachlan, Jaqui Hunt von Single Gun Theory und Lisa Gerrard von Dead Can Dance auf dem Meisterwerk mit, das allein in den USA 250.000 Käufer fand. Spätestens mit der Club-Dance-Nummer "Silence", die in Großbritannien, Australien, Irland und Belgien zum Tophit avancierte - in Deutschland eroberte der Titel als Trance-Remix erst drei Jahre später die Top 20 - hatte das Seitenprojekt den Hauptact in kommerzieller Hinsicht weit überflügelt. Bei der anschließenden Delerium-Produktion "Poem", die mit "Innocente" einen weiteren Charthit abwarf, musste Bill Leeb ohne Rhys Fulber auskommen, der sich derweil als Produzent von P.O.D., Fear Factory und Sarah Brightman verdient machte und an seinem eigenen, viel beachteten Projekt Conjure One arbeitete. Glücklicherweise war die Trennung nicht von Dauer. Auf dem neuen Album "Chimera" sind die beiden wieder vereint und darüber hinaus in kreativer Höchstform. Denn nie zuvor integrierten die kanadischen Sound- und Songarchitekten unter dem Gütesiegel Delerium so viele unterschiedliche musikalische Elemente in ihre Musik. "Chimera" strotzt förmlich vor Samples, Ideen und Zitaten aus den unterschiedlichsten Genres und Kulturkreisen. "Love" etwa kombiniert afrikanische Rhythmen mit einem Choral von Hildegard von Bingen. "Run For It" bringt TripHop mit traditionellen Gesängen aus Lappland und arabischer Harmonik zusammen. "Forever After" erweist sich als Schulterschluss von HipHop und Orient-Pop, und inmitten des epischen Instrumentaltrips "Eternal Odyssey" sorgt gar Samuel Barbers "Adagio For Strings" in einer engelsgleichen Chorversion für mystische Stimmung. Aber nicht nur die Fülle der akustischen Reize, die perfekt ausbalancierten Arrangements und die erlesene Produktion machen "Chimera" zum Ereignis. Auch die Gästeliste wartet mit großen Namen auf wie Pete Townshend, der auf der zarten Akustikballade "Touched" Gitarre spielt. Neben den im Delerium-Universum wohlbekannten Chanteusen sorgen diesmal unter anderem Zoe Johnston (Bent, Faithless), die türkische Rapperin Sultana und Julee Cruise, bekannt durch ihre Arbeiten mit Angelo Badalamenti und David Lynch, mit überirdisch schönen Stimmen für unvergessliche Momente. Ebenfalls mit von der Partie ist Jaël, die zauberhafte Frontfrau der Schweizer Pophoffnung Lunik, die den süß prickelnden Pop-Dance-Ohrwurm "After All" veredelt. Mit beachtlichem Ergebnis: Diesseits und jenseits des Atlantiks war der Song bereits ein Club-Hit. In Großbritannien erreichte er Platz eins der Club Charts, in den USA Platz fünf der Billboard Hot Dance Charts. Und das ist sicher erst der Anfang. "Chimera" ist ohne Zweifel ein Album, das mit seinem Pop, Dance, Ambient und Weltmusik verbindenden Sound viele unterschiedliche Geschmäcker anspricht, zumal die traumhaft harmonischen Klänge und liebreizenden Stimmen ihre magische Wirkung bei nahezu jeder Gelegenheit entfalten. Wer nach einem perfekten Begleiter zum Chillen, Clubben oder Träumen sucht, ist bei Delerium in jedem Fall an der richtigen Adresse.

