Sie sind eine der witzigsten und unterhaltsamsten Combos des Hard'n'Heavy-Genres, selbstironisch bis ins kleinste Detail, ohne den Biss vermissen zu lassen, den passionierte Headbanger und gestandene Luftgitarristen schätzen. Seit D:A:D 1989 mit ihrem Album "No Fuel Left For The Pilgrims" und der Power-Hymne "Sleeping My Day Away" ihren internationalen Durchbruch feierten, hat Dänemark einen Stammplatz auf der Rock'n'Roll-Weltkarte. Den Zuspruch, den die Band um die beiden Brüder Jesper (Ges...
Sie sind eine der witzigsten und unterhaltsamsten Combos des Hard'n'Heavy-Genres, selbstironisch bis ins kleinste Detail, ohne den Biss vermissen zu lassen, den passionierte Headbanger und gestandene Luftgitarristen schätzen. Seit D:A:D 1989 mit ihrem Album "No Fuel Left For The Pilgrims" und der Power-Hymne "Sleeping My Day Away" ihren internationalen Durchbruch feierten, hat Dänemark einen Stammplatz auf der Rock'n'Roll-Weltkarte. Den Zuspruch, den die Band um die beiden Brüder Jesper (Gesang, Gitarre) und Jakob Binzer (Leadgitarre) bei Rockfans rund um den Globus genießt, verdankt sie einem eigenwilligen Musikmix aus Hardrock, Heavy Metal, Punk, Blues, Pop und Country-Rock sowie energiegeladenen Konzerten, die "zu den geilsten Parties gehören, die es in Europa zu feiern gibt" (Hammer). Während andere Bands von ähnlichem Kaliber und Härtegrad, die sich vergleichbar lange im Musikgeschäft tummeln, Veränderungen und Innovationen scheuen wie der Teufel das Weihwasser, erfindet sich das Quartett aus Kopenhagen, getreu der bereits vor Jahren von Bassist Stig Pedersen aufgestellten Maxime: "Wir wollen uns nicht wiederholen, das wäre absolut langweilig", in schöner Regelmäßigkeit neu. Das demonstrierten die Rock'n'Roll-Wikinger zuletzt auf ihrem als Karriere-Retrospektive inszenierten Live-Album "Psychopatico", das von überdrehten Cow-Punk-Klassikern über unwiderstehliche Hardrock-Ohrwürmer an der Schnittstelle von Aerosmith und AC/DC bis zu sympathischem Rock mit Pop-Appeal alle großen Momente der Band vereinigte. "Psychopatico" war auch der letzte Auftritt ihres langjährigen Schlagzeugers Peter L. Jensen. Mit seinem Ausstieg und der Neuverpflichtung des 25jährigen Laust Sonne starten D:A.D nun frei nach der Devise "frisches Blut, neuer Mut" vollends durch. Auf dem aktuellen Album "Everything Glows", aufgenommen im Grapehouse Studio in Kopenhagen und in den schwedischen Tambourine Studios in Zusammenarbeit mit Tore Johanneson (Cardigans) und abgemischt von Jim Scott, der an der Seite von Produzentenlegende Rick Rubin Acts wie die Red Hot Chili Peppers soundtechnisch betreute, präsentiert sich Dänemarks beste Rockband in Höchstform. Schon auf dem ersten der elf Songs entfesseln Stig, Jesper, Jacob und Laust einen fulminanten Gitarrensturm, der seinem Titel auch wegen der packenden Hookline alle Ehre macht: "Everything Glows". Danach grüßen sie alle Ex-Girlfriends dieser Welt mit der countryfizierten Rockhymne "Nineteenhundredandyesterday", landen mit "The Road Below Me", "Sunstar" und "Evil Twin" drei explosive Rock'n'Roll-Treffer und demonstrieren schwelende Leidenschaft in den melancholischen Balladen "Something Good" und "I'm Not The Same". Das hochmelodische "Candybar" verknüpft Pop-Sensibilität mit Americana-Weite. "Summer Me Soon" strotz von der urwüchsigen Kraft des Rhythm'n'Blues. Und der atmosphärische Psychedelic-Trip "As Common As" empfiehlt sich als Soundtrack zu einem imaginären Film. Auch ihrem Ruf als Meister des doppelbödigen Humors werden die Dänen mit der Paarung scharf gewürzter Latin-Rhythmen mit messerscharfen Riffs bei "A Kiss Between The Legs" voll gerecht. Trotz aller Dynamik und glühender Intensität behalten D:A:D einen kühlen Kopf, wenn es um die Arrangements geht. Geschwindigkeit und Härte schaffen eben nicht unbedingt mehr Ausdruckskraft. Da darf dann auch schon mal ein Xylophon die Melodie klöppeln und ein Drum-Computer den Beat antreiben, während akustische Western-Twang-Gitarren die Weite der Prärie und gesampelte Indianergesänge eine drohende Stampede heraufbeschwören. "Everything Glows" lässt keine Zweifel aufkommen: D:A:D lieben das Extrem, die Gegensätze, Übersteigerungen und Parodien. Das neue Album mag vielleicht etwas erwachsener und gefühlvoller als die früheren Werke klingen, aber die vier dynamischen Dänen schaffen es immer wieder den Gute-Laune-Pegel hochzuschrauben und so wild, gewagt und selbstbewußt ihren Songs die Sporen zu geben, wie zu der Zeit, als sie noch unter dem Namen "Disneyland After Dark" mit abgedrehten musikalischen Pferdeopern und kraftvollem Punk-And-Ride-Rock den Grundstein für ihren Kultstatus legten.

