Die Fotos zum Booklet ihres neuen Albums „Girls Night Out“ zeigen Candy Dulfer in nonstop action: „From Morning ´Till Evening“, „From Evening ´Till Morning“. Und das über zwei Jahre lang, in denen die bildhübsche Saxophonistin fast jeden Abend auf der Bühne stand. Gar nicht zu sprechen von den diversen Auftragsarbeiten: Shows mit Van Morrison und The Artist Formely Known As Prince sowie Gastmusikerin auf dem aktuellen Blondie-Album „No Exit“. „Candy‘s hot“ würden die Amerikaner salopp formu...
Die Fotos zum Booklet ihres neuen Albums „Girls Night Out“ zeigen Candy Dulfer in nonstop action: „From Morning ´Till Evening“, „From Evening ´Till Morning“. Und das über zwei Jahre lang, in denen die bildhübsche Saxophonistin fast jeden Abend auf der Bühne stand. Gar nicht zu sprechen von den diversen Auftragsarbeiten: Shows mit Van Morrison und The Artist Formely Known As Prince sowie Gastmusikerin auf dem aktuellen Blondie-Album „No Exit“. „Candy‘s hot“ würden die Amerikaner salopp formulieren. Anders gesagt: Die intensiven Live-Aktivitäten haben die Popularität der holländischen Altsaxophonistin noch gesteigert und die Künstlerin selbst zu den Wurzeln ihres Musikverständnisses geführt - Funk und R&B, angereichert mit Jazz, HipHop und Soul. Dominierten auf dem 97er-Werk „For The Love Of You“ die ruhigen Töne, marschiert „Girls Night Out“ geradewegs auf die Tanzfläche. Gleich beim Opener (zugleich Titelsong) bläst Candy einen hitzigen Ton, teilt sich das Gesangsmikro mit Nora Payne und Rashad Coes - und gibt das Thema des Albums vor: „Come on, girls free your mind and have some fun!“ Candy Dulfer, die mit sieben Jahren ihre Musikausbildung begann und mit 14 bereits ihre Band Funky Stuff gründete, musizierte schon immer auf der Höhe der Zeit, ohne sich Trends diktieren zu lassen. Legendär der Ruf von jenem Künstler, der einmal Prince hieß: „When I want sax, I call Candy“. Noch vor der Veröffentlichung ihres Debüt-Megasellers „Saxuality“ (1990) tourte sie als Eröffnungsgast mit Madonna durch Europa. Den Knoten richtig zum platzen brachte kurz darauf der Top Ten-Titel „Lily Was Here“, ein Filmmusik-Duett mit Dave Stewart. Knapp zehn Jahre und drei Alben („Sax A Gogo“/´92, „Big Girl“/´95, „For The Love Of You“/´97) später treffen die beiden Vollblutmusiker wieder zusammen. Diesmal auf Geheiß von Regie-Altmeister Robert Altman, der für sein aktuelles Filmwerk „Cookies Fortune“ eine glanzvolle Erkennungsmelodie benötigte. „Cookie“, so der verkürzte Songtitel, ist ein bluesgetränkter slow motion killer und einer der musikalischen Höhepunkte von „Girls Night Out“. Zugleich setzt der Track den Schlußpunkt unter eine bravouröse Platte. Davor gilt es zwölf weitere Male der großen Saxophonkunst von Candy Dulfer zu lauschen, die erneut exquisite Gastmusiker aus den Bereichen Jazz und R&B ins Studio gebeten hat. Darunter PeeWee Ellis und Fred Wesley (das ehemalige Herzstück der James Brown Horn Section), Trompeter Arturo Sandoval sowie Gitarrist und Sänger Jonathan Butler. Mit letzterem intoniert Candy eine knackfrische Coverversion des Junior Walker-Klassikers „What Does It Take“. Im übrigen nicht die einzige Coverversion von „Girls Night Out“. Gleich zweimal zollt die Tochter von Jazzmusiker Hans Dulfer dem großen Sonny Rollins Respekt: Auf „Island Lady“ dominiert mächtiger Brass Band Sound, durchsetzt mit zarten Reggae-Tupfern; „No Problem“ indes gleitet in edlem Midtempo-Groove dahin. Zweimal kommt auch die Average White Band zu Ehren: Zum einen als Sample, in dem von Polizeisirenen eröffneten Song „Dance ´Till You Bop“; zum anderen haucht saxy Dulfer dem Titel „I‘m The One“ in Form einer stürmischen Coverversion neues Leben ein. Allen Schlaflosen sei abschließend „So Cool“ ans Herz gelegt. Einen bessern akustischen Rahmen für nächtliche Autofahrten durch Großstadt-Kulissen kann man kaum liefern. Zumal Candy Dulfer zeitgemäße Styles wie Breakbeats und ambientartige Keyboardflächen kunstvoll einwebt. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Produzenten Booker T. Jones III, Rashaad Coes und Roy Pennon (alles Talente aus der Produzentenschmiede von Keith Crouch, der u.a. Boyz II Men, Rahsaan Patterson und Brandy nach oben gebracht hat), die bei der Soundumsetzung des bis dato innovativsten Albums von Candy Dulfer ein versiertes Händchen bewiesen haben.

