Dort, wo normalerweise Cowboys ihre Marlboro rauchen und Viehtreiber zu Präsidenten gemacht werden, ist auch eine Band beheimatet, die so gar nicht ins erzkonservative Texas zu passen scheint. Sie findet bereits 1994 zusammen - in der jetzigen Besetzung, bestehend aus Jim Ward (Gitarre), Omar Rodriguez (Gitarre), Paul "Pall" Himojos (Bass), Cedric Bixler (Gesang) und Tony Hajjar (Schlagzeug), spielen sie jedoch erst seit 1997. Musikalisch hauen At The Drive-In richtig fett aufs Sch...
Dort, wo normalerweise Cowboys ihre Marlboro rauchen und Viehtreiber zu Präsidenten gemacht werden, ist auch eine Band beheimatet, die so gar nicht ins erzkonservative Texas zu passen scheint. Sie findet bereits 1994 zusammen - in der jetzigen Besetzung, bestehend aus Jim Ward (Gitarre), Omar Rodriguez (Gitarre), Paul "Pall" Himojos (Bass), Cedric Bixler (Gesang) und Tony Hajjar (Schlagzeug), spielen sie jedoch erst seit 1997. Musikalisch hauen At The Drive-In richtig fett aufs Schnitzel und präsentieren sich vor allem live als eine Band mit unbändiger Spielfreude und schon fast sagenhafter roher Energie. Äonen entfernt vom simplen eins, zwei, drei, vier vieler Punkbands findet man bei den Texanern aus "Hell Paso" vielschichtige Klangstrukturen und überraschende Breaks. Sänger Cedric erinnert zwar manches mal an Zack De La Rocha, ohne jedoch als Kopisten des Ex-Rage Against The Machine-Frontmanns gelten zu müssen. Auch beim Sound des Fünfers erkennt man die eine oder andere Verwandtschaft zu anderen Bands, aber die unwiderstehlichen Grooves und der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile der Rhythmus-Fraktion kreieren den für sie typischen Stilmix. 1994, als sie ihre erste Single "Hell Paso" in Eigenregie veröffentlichen, müssen sie sich erst ein mal Gehör verschaffen, weil bislang so gut wie niemand von den Jungs gehört hat. Die 94er Tour führte sie unter anderem nach LA, wo sie vor der Megakulisse von neun Besuchern ein derbes Feuerwerk abbrennen. Ganz zufällig bestehen 11,11% (also genau einer) der Zuschauer aus Mitgliedern der Plattenfirma Flipside. Jener welcher hört auf den Namen Blaze James und bietet At The Drive-In spontan einen Vertrag an, der ihnen ermöglicht, ihre erste vollständige Platte einzuspielen. Nach diversen Umbesetzungen steht auch das aktuelle Line Up, nachdem Tony und Pall zur Band stoßen und Omar sich fortan um sechs statt um vier Saiten kümmert. Kommerziell kann die Band kaum von ihrem bescheidenen Erfolg leben, und nachdem Flipside pleite geht, rechnen selbst die Bandmitglieder nicht damit, dass es eine weitere Veröffentlichung geben wird. Aber ausgerechnet Fearless, ein Label, was sich sonst nur mit Pop-Punk beschäftigt, nimmt die Gruppe unter Vertrag. Dem Zweitling "In/Casino/Out" folgt eine fast endlos scheinende Tour, bei der sie auch für größere Acts wie Fugazi oder Sonic Youth eröffnen. Ein Labelwechsel hin zu Den-Records folgt und die Band bereitet sich schon auf die Aufnahmen vor, als sie ein Angebot der Get Up Kids für eine Tour erhält. Für passionierte Musiker gehört es sich, live zu spielen und so lassen sich At The Drive-In nicht lange bitten. Als dann die Gigs gespielt sind, klingelt erneut das Telefon und diesmal bitten Rage Against The Machine sie, den Support Act zu übernehmen. So ganz wohl fühlen sie sich auf den großen Stadionbühnen zwar nicht, aber eine wertvolle Erfahrung ist es allemal. Nun können endlich die Sessions für den dritten vollen Longplayer beginnen, aber schon wieder gibt es Turbulenzen. Den-Records wird von Virgin geschluckt und nach einigem hin und her landen At The Drive-In bei Grandroyal, das, welch ein Glück, von Mike D. (Beastie Boys) geführt wird. Mit "Relationship Of Command" erscheint im Herbst 2000 ein Album, das für viele als eines der besten Rockalben der letzten Jahre gilt. Wieder geht die Band auf eine Mammuttour durch die ganze Welt, um "Relationship Of Command" zu promoten. Während der Tour explodieren aber die Ereignisse um die Band: ihr Video geht bei MTV auf Heavy-Rotation, die Magazine stehen für ein Interview Schlange, jedes Konzert in den viel zu kleinen Locations ist binnen Minuten ausverkauft (oft stehen 1000 Fans vor 300 Leute fassenden Clubs) und das Album schießt in den Charts unaufhaltsam nach oben. At The Drive-In sind auf einmal "Heavy Tip" im Media Markt um die Ecke und DIE Stars der Alternative-Szene. Der Hype wird der Band allmählich zu viel und die Konzerte versinken im Chaos. Bei riesigen Venues auf Festivals oder in überfüllten Räumen mit bis zu tausend Zuschauern, ist es der Band unmöglich, ihre "Tough Guys out, good guy in"-Attitude (kein Stagediving und erst recht kein Moshpit) umsetzen. In Australien bricht die Band nach vier Songs ihr Konzert auf einem Festival ab, da die 40 000er Meute den Aufforderungen der Band nicht stagezudiven nicht nachkommt. Nach einem Jahr durchgehendem Touren bricht die Band ihre Welttour in Feburar 2001, als sie gerade in Deutschland unterwegs sind, entnervt ab, und gibt eine längere Bandpause bekannt. Während dieser Zeit widmen sich die Mitglieder hauptsächlich ihren Nebenprojekten: die dubbigen De:Facto (mit Cedric Bixler und Omar Rodriguez/ veröffentlichen Mitte 2001 auch ein Album), Sparta (mit Jim Ward, Paul Himojos und Tony Hajjar/ sollen als Rockband durchgehen) und Mars Volta (wieder mit der Afro-Fraktion in Form von Cedric und Omar, dieses Mal aber in Rock-Action). Die Gerüchte um einen möglichen Split der Band häufen sich und immer wieder hört man Vergleiche mit dem tragischen Bruch von Refused. Ende September 2001 bekommt man dann Bestätigung: At The Drive-In geben offiziell ihre Auflösung bekannt. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Bestimmt Gründe werden nicht näher bekannt gegeben, einzig und allein verweist man auf die vielen Nebenprojekte als mögliche Trennungsursache. Damit ist das Ende einer der innovativsten Punk-und Hardcorebands besiegelt, die ganz groß hätten werden können. Leider heißt es nun: Tränen aus den Augen wischen, sich an den wunderbaren Platten erfreuen und die hoffnungslose Suche nach einer vergleichbaren Band antreten. 2000 Relationship Of Command 1998 In/Casino/Out 1997 Acrobatic Tenement

